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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Säuren.

Bindegewebes mit alkalischen Erden, namentlich Kalk- und Barytwasser,wie sie in der Gerberei beimKalken stattfindet, die einzelnen Faserndes Bindegewebes ohne Aenderung ihrer morphologischen Beschaffenheitisolirt werden durch Auflösung eines _Eiweissstoffes, der ihr Zusammen-kleben bewirkt und durch Säuren aus der Lösung abgeschieden wird.

Auf die Arbeiten von A. Müntz 1 ), der durch Analysen der Hautin den verschiedenen Stadien des Gerbprocesses weitere Anhaltspunktefür die beim Gerben stattfindenden Vorgänge zu gewinnen suchte, undvon Lietzmann 2 ) mag hier verwiesen werden.

Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Frage hat die im technischenLaboratorium des Collegium Carolinum zu Braunschweig ausgeführteumfassende Untersuchung vonA. Reimer 3 ),Studien zur wissenschaft-lichen Begründung der Gerberei geliefert. Es gelang Reimer, ausdem Corium durch Behandeln mit Kalkwasser, Barytwasser oder ver-dünnter Kochsalzlösung einen Stoff auszuziehen, den er Coriin nenntund dem er die Formel C 30 H 50 N 10 0 15 giebt. Ferner isolirte er durchAusziehen mit sehr verdünnter Essigsäure eine andere, Hautfibroin ge-nannte Substanz von der Zusammensetzung Ci 5 H 33 N 5 0 6 , die er fürisomer mit dem von Cr am er 4 ) in der Seide gefundenen Faserstoff(Fibroin) hält.

Diese beiden Stoffe, von denen den ersteren jedenfalls schon Rol-let unter den Händen hatte, sind nach Reim ers Versuchen die Trägerdes Gerbprocesses. Sie werden durch die verschiedenen Gerbstoffe alsschwerlösliche Verbindungen mit diesen gefällt, wodurch ihre zusam-menklebende Wirkung beim Trocknen der Haut verhindert wird.

Sie werden gelöst durch Alkalien, dagegen gefällt durch concen-trirte Kochsalzlösung, durch ein Gemisch von Kochsalz und Alaun, wo-bei letzterer in den Niederschlag als neutrales Thonerdesalz eingeht.Organische Säuren, die sich beim Liegen der Häute an der Luft durchGährung bilden, befördern beträchtlich die Fällung. Reine Alaunlösungfällt das Coriin und Hautfibrom nicht, ist daher nicht fähig zu gerben.Auch die vegetabilischen Gerbstoffe gehen mit diesen Substanzen schwerlösliche Verbindungen ein.

Eine Lösung von reinem Bindegewebe absorbirte 1019 p. C.Gerbsäure.

Eine mit 10 p. C. Säure (Butter-, Milch- und Essigsäure) versetzteLösung absorbirte 123 p. C. Gerbsäure.

Die Versuche, mit Chromalaun und Eisenalaun zu gerben, führtenReimer zu denselben Resultaten wie bei Anwendung von Kalialaun.

4 ) Müntz, Ann. chim. pliys. Juli 1870, 309. 2 ) Lietzmann, Die

Herstellung der Leder in ihren chemischen und physikalischen Vorgängen,Berlin 1870. 3 ) Eeimer, Dingl. pol. J. CCY, 143, 248, 457. 4 ) Gra-

mer, J. pr. Chem. XCVI, 76.