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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Digeon *) liess sich die Anwendung der Blätter und Früchte desJohannisbrodbaums (Ceratonia siliqua) als Gerbmaterial (für Frankreich)patentiren.

Eine wissenschaftliche Begründung des Wesens der Gerberei isterst eine Errungenschaft des letzten Decenniums. Die früheren Ansich-ten gingen alle dahin, dass das Leder eine chemische Verbindung derthierischen Haut mit Gerbstoff sei.

Erst die bahnbrechenden Untersuchungen Fr. Knapps 2 ) zeigtenauf das Schlagendste, dass Leder unmöglich eine chemische Verbindungsein kann. Es gelang ihm ohne allen Gerbstoff Leder zu erzeugen durchVerdrängen des Wassers aus den Poren der Haut mittelst Chlorcalciumsund wasserfreien Aethers und durch Zusammenbringen eines solchenLeders mit Wasser es wieder in Haut zu verwandeln. Knapps Ver-suche zeigten, dass bei der Gerbung das Gerbmittel nicht in bestimmtenunveränderlichen Verhältnissen von der Haut aufgenommen wird, son-dern dass diese ganz von der Concentration und Natur des Lösungs-mittels abhängen. Die Gerbmittel haben keine andere Bedeutung, alsdass sie in die Poren der Haut eindringen, die Fasern umhüllen resp. sichauf ihnen durch Flächenanziehung niederschlagen. Dadurch wird dasZusammenkleben der Fasern beim Eintrocknen der Haut verhindert,sie bleibt geschmeidig und biegsam, ist in Leder verwandelt. Leder istkeine chemische Verbindung, sondern ein mechanisches Gemenge; esist Haut, deren Fasern durch Umhüllung mit einem Gerbmaterial ver-hindert sind, beim Trocknen zusammenznkleben. Bei'der Lohgerbereiwird die Faser nach dem Präpariren mit Kalk mit Gerbstoff, bei derWeissgerberei mit einem Thonerdesalz imprägnirt, bei der Sämisch-gerberei mit Fett überzogen. Ganz ebenso wirken auch Eisenoxyd-und Chromoxydsalze und Pikrinsäure. Knapp hält die Gerberei nurfür einen speciellen Fall des Processes der Färberei und vergleicht dieVerschiedenheit der Kraft, mit welcher bei der Loh- und Weissgerbereider Gerbstoff auf der Haut festgehalten wird, mit den echten und un-echten Farben.

In seiner zweiten Untersuchung über das Wesen der Weiss-gerberei 3 ) machte Fr. Knapp die Wirkung des Alauns und des Koch-salzes und der sogenanntenNahrung zum Gegenstand des speciellenStudiums.

Von weiteren neueren Arbeiten über die Theorie des Gerbens istzunächst zu erwähnen die Untersuchung von A. Rollet 4 ), welcher aufmikroskopisch-chemischem Wege nachwies, dass bei Behandlung des

4 ) Digeon, Bull. soc. chim. 1873, XX, 333. 2 ) Knapp, Natur und

Wesen der Gerberei und des Leders, München 1858; Dingl. pol. J. CXLIX,305, 378. s ) Knapp, Dingl. pol. J. CLXXXI, 311. 4 ) Rollet, Sitzungs-

bericht d. Wiener Akad. XXX, 37.