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Organische Säuren.
Gerbsäuren werden namentlich bei den Krapppigmenten, dem Coche*nillefarbstoff und zum Fixiren der Anilinfarbstoffe auf Baumwolle undLeinen benutzt 1 ).
Die wichtigste technische Verwendung finden die Gerbsäuren zurVerwandlung der Haut in Leder, in der sogenannten Lobgerberei. Esist Tbatsacbe, dass schon die ältesten Naturvölker sich der Thierhäutezur Kleidung und zu sonstigen Zwecken bedienten; welche Methoden siezur Conservirung der Felle anwandten, entzieht sich vollkommen unsererKenntniss. Es lässt sich indess wohl annehmen, dass auch die Verwen-dung gerbstoffhaltiger Pfianzentheile schon alten Datums ist. Mehrals alle anderen Industriezweige hat sich die Gerberei auf rein empi-rischem Wege entwickelt. Erst in neuester Zeit .ist es gelungen, einenEinblick in das eigentliche Wesen dieses Processes zu gewinnen unddadurch zuerst ist die Grundlage einer rationellen Gerberei nach wissen-schaftlichen Gesichtspunkten geschaffen worden. Die verschiedenstenKörper können als Gerbstoffe Verwendung finden, sofern sie die Fähig-keit besitzen, die Neigung der Haut zur Fäulniss möglichst aufzuhebenund das Zusammenkleben der Fasern der Haut beim Trocknen zu ver-hindern.
Die Gerbung mit vegetabilischen Gerbstoffen pflegt man als Loh-oder Rothgerberei, das Gerben mit Thonerdesalzen, Kochsalz etc. alsWeissgerberei und das Gerben mittelst Einwirkung von Fetten alsSämischgerberei zu unterscheiden. Diesen drei Hauptzweigen der Ger-berei schliessen sich indess in neuerer Zeit mehr und mehr neue Me-thoden an.
Für den relativen Werth der zahlreichen Materialien für die Ger-berei ist nicht allein der Gehalt an Gerbsäure maassgebend, sondernauch die Fähigkeit derselben, mit den Bestandtheilen der Haut bestän-dige mechanische Verbindungen einzugehen. Die Auswahl der Gerb-stoffe hängt ferner naturgemäss von localen Verhältnissen ab.
In Amerika wird in der Neuzeit die Rinde der Hemlocktanne(Äbies Canadensis) als vorzügliches Gerbmaterial benutzt. Sie enthältnach Nessler 2 ) 14'3 p. C. Gerbsäure.
Park 3 ) empfiehlt das Holz der Muskito-Eiche (Algarobia glcmdu-losd) und der Lebenseiche (Quercus vireus ) in Texas, als gutes Gerb-material; der Extract des ersteren enthält nach Park 30 p. C., der desletzteren 50 p. C. Gerbstoff.
J ) Yergl. Kurtz, Dingl. pol. J. CCY, 576; Austerlitz, Dingl. pol. J.CCYIH, 397; Musterzeitung 1873, Nr. 8; C al v er t, J. pr. Cliem. LXIV,448. Ueber die Benutzung des Tannins in der Photographie zum Ueberziehender Platten vergl. Schultz-S eilack, Pogg. Ann. CXLIII, 171. 2 ) Ness-
ler, Dingl. pol. J. CLXXXIII, 415. s ) Park, Polyt. Centralbl. 1872,1026; Me Murtrie, Dingl. pol. J. CCXIII, 537.