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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

führen. Eine befriedigende Lösung fand die Frage nach der Consti-tution des Tannins durch die Arbeit von H. Schiff 1 ), welcher sowohldurch Erhitzen mit Arsensäure, als auch mit Phosphoroxychlorid auf100 bis 120° die Gallussäure in Tannin, letzteres durch Kochen mitSalzsäure wieder ganz in Gallussäure überführte.

Schiffs Resultate führen mit einem hohen Grade von Wahr-scheinlichkeit zu der Auffassung, dass das Tannin das Anhydrid derGallussäure sei, eine Digallussäure (was schon Hlasiwetz vermuthete),und dass die Beziehungen beider ausgedrückt werden durch dieFormel:

C 6 H 2

(OH),

COOH

(Gallussäure)

C b H 2

(OH ) 312 CO\0 /C TT (° h >2

M2 cooh

(Tannin)

Nach Schiff enthält die rohe Gerbsäure wie sie sich in derPflanze findet, offenbar Glycose als blossen Gemengtheil, durch geeig-nete Reinigung kann man den Zuckergehalt auf wenige Procente redu-ciren, ohne dass die Gerbsäure auch nur die geringste Veränderungerleidet. Wahrscheinlich ist die in der Pflanze vorhandene Verbindungein sehr leicht zersetzbares Glucosid einer Polygallussäure.

Neuere Versuche von Sac 2 ), welcher aus 43 p.C. Gerbsäurenenthaltenden Galläpfeln durch dreimonatliche Gährung 50 p. C. Gallus-säure erhielt, bestätigen vollkommen Schiffs Auffassung 3 ).

Die für die technische Verwendung höchst wichtige Aufgabe, denGehalt an Gerbsäure in den verschiedenen von der Natur geliefertenMaterialien mit Sicherheit zu ermitteln, hat einer ganzen Reihe vonauf den verschiedensten Principien beruhenden Methoden der Gerb-säurebestimmung den Ursprung gegeben, und es ist in der That gelun-gen, die technische Bestimmung der Gerbsäure zu einem bedeutendenGrad der Genauigkeit zu bringen. Eine Uebersicht dieser verschie-

!) Schiff, Ber. chem. Ges. IY, 232, 967; Ann. Chem. Pharm. CLXX, 43.

2 ) Sac, Compt. rend. LXXII, 766. 3 ) Zur Literatur der verschiedenen Gerb-

säuren vergl. ferner: Bochleder, Wien. Acad. Ber. LIV, 607; J. pr. Chem.0, 346, über den Gerbstoff der Eosskastanie. Eembold, Wien. Acad. Ber.LY, 559, über Chinagerbsäure; Derselbe ibid. 571 über Granatgerbsäure; ibid.LYI, 391 über Tormentillgerbstoff. Grabowski, ibid. LY, 562 über Batanhia-gerbsäure; ibid. LYI, 387 über Eichengerbsäure. Malin, ibid. LV, 564über Pilixgerbsäure. Bochleder, ibid. LVIII, 169, 222 über den Gerbstoffvon Abies pectinata. Löwe, J. pr. Chem. CV, 32, 75 über Catechugerb-säure. Dreykorn und Beichardt, Dingl. pol. J. CXCY, 157 über denGerbstoff des Erlenholzes. Wagner, Dingl. pol. J. CCY, 137 über dieSumacharten. Löwe, Zeitschr. f. anal. Chem. XII, 128 über Sumachgerb-säure.