Organische Säuren. 451
von 1 Mol. Wasser zwischen beiden annahm, war es bekanntlichzuerst Strecker 1 ), der die Ansicht vertrat, das Tannin sei ein soge-nanntes Glucosid von der Zusammensetzung C 37 Il 2 . 2 O i7 , welches bei Ein-wirkung von verdünnten Säuren, Alkalien oder Fermenten sich inGallussäure und Zucker zerlege. Strecker’s Auffassung standen in-dess die Versuche von W. Knop 2 ) entgegen, der bis auf 4 bis 6 p. C.Verlust, der in Ellagsäure und einem Kohlenhydrat bestand, alles Tan-nin in Gallussäure überführte. Zu ähnlichen Resultaten war auchStenhouse 3 ) schon früher gelangt. Rochleder’s 4 ) Versuche führtenihn zu dem Schluss, dass der Zucker, den das Tannin bei Einwirkungvon Säuren liefert, von einem Nebenbestandtheil herrühre.
Hlasiwetz 5 ), dessen Arbeiten „über die Beziehungen der Gerb-säuren, Glucoside, Phlobaphene und Harze“ epochemachend für diesesGebiet sind, stellte die Vermuthung auf, dass das Tannin eine Digallus-säure sei und zur Gallussäure in derselben Beziehung stehe wie derDiäthylenälkohol zum Glycol. Für alle Gerbsäuren wies Hlasiwetznach, dass sie allgemein wie die Glucoside bei Einwirkung von ver-dünnten Säuren oder Fermenten Zucker und ein anderes Spaltungs-product liefern, er lässt indess die Frage noch unentschieden, ob siewahre Glucoside seien. Er giebt folgende Zusammenstellung derselbenresp. ihrer Zersetzungsproducte unter dem Einfluss von Fermenten undbeim Schmelzen mit Kali :
Galläpfelgerbsäure
Granatgerbsäure
Kaffeegerbsäure
Chinagerbsäure
Chinovagerbsäure
Filixgerbsäure
Ratanhiagerbsäure
QuereitriD
Rutin '
Spaltungspi-oducte.
Producte der Oxydationmit schmelzendem ICali.
Zucker und Gallussäure„ „ Ellagsäure
„ „ Kaffeesäure
PyrogallussäureGallussäureProtocatechusäureund Essigsäure
55
55
55
55
55
5 )
55
55
55
55
55
;;
Chinaroth
Chinovaroth
Filixroth
Ratanhiaroth
fQuercetin
Protocatechusäureund Essigsäure
Protocatechusäureund Phlorogluein
Den ersten experimentellen Beweis gegen die Auffassung desTannins als Glucosid brachte J. Löwe 6 ) bei, dem es gelang, Gallus-säure durch Behandlung mit salpetersaurem Silber in Tannin überzu-
Strecker, Ann. Chem. Pharm. XC, 328. 2 ) Knop, Pharm. Centr.
1855, 658. 8 ) Stenhouse, Ann. Chem. Pharm. XLV, 12. 4 ) E 3eh-
leder, Chem. Centr. 1858, 579 und 583. B ) Hlasiwetz, Ann. Chem.Pharm. CXLIII, 290; ibid. CXLII, 219. 6 ) Löwe, J. pr. Chem. CII, 111.
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