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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Gerbsäuren 1 ).

Im Anschluss an die bisher betrachteten wohlcharakterisirten orga-nischen Säuren mag hier eine Gruppe organischer Körper von compli-cirter Zusammensetzung ihren Platz finden, die mit jenen zunächst nurden Namen gemein haben, deren Constitution noch nicht soweit auf-geklärt ist, dass sie mit voller Sicherheit einem bestimmten Theil desSystems eingereiht werden können nämlich die Gerbsäuren.

Die merkwürdige, im Pflanzenreich weit verbreitete Gruppe dersogenannten Gerbsäuren ist entsprechend ihrer hohen praktischen Be-deutung vom Standpunkt der neueren wissenschaftlichen Forschungdurch vielfache Untersuchungen, indess bei weitem nicht mit den Er-folgen bearbeitet worden, die auf anderen Gebieten der organischenChemie erzielt worden sind. Wenn es auch gelungen ist, nach ver-schiedenen Richtungen einiges Licht in die verwickelten chemischenBeziehungen dieser merkwürdigen Körper zu werfen, so hat doch geradehier die reine Wissenschaft der instinctiv vorauseilenden Empirie nurlangsam folgen können.

Nach dem jetzigen Stande der Kenntniss der Gerbsäuren unter-liegt es keinem Zweifel, dass man mit diesem Namen eine Reihe vonKörpern zusammenfasst, die nur durch gewisse charakteristische Eigen-schaften zu einander in Beziehung, grossentheils aber in keinem näherengenetischen Zusammenhang stehen. Sie alle sind schwache Säuren,von zusammenziehendem Geschmack, geben mit Eisensalzen schwarz-blaue oder grüne Verbindungen, fällen Leimlösungen und haben dieFähigkeit, thierische Haut zu gerben, in Leder zu verwandeln Eigen-schaften, auf denen ihre wichtigen Anwendungen in der Technik beruhen.

Die Aufgabe, die chemische Natur, die Constitution der Gerbsäurenaufzuklären, ist bis auf die neueste Zeit das Ziel eingehender Unter-suchungen gewesen und bezüglich der bekanntesten Gerbsäure, derGalläpfelgerbsäure in der That auch zu einer befriedigenden Lösunggeführt worden, während die Natur der übrigen weit weniger erforsch-ten Gerbsäuren noch vollkommen dunkel ist.

Eine ganze Reihe von Arbeiten über die Galläpfelgerbsäure ver-folgte insbesondere den Zweck, die Beziehungen des Tannins zur Gallus-säure, in die es mit Leichtigkeit übergeht, festzustellen.

Entgegen den früheren Ansichten von Wetherill 2 ), der Tanninund Gallussäure für isomer hielt, und von Mulder 3 ), der eine Differenz

] ) Von 0. D. 2 ) Wethe rill, Journ. de pharm. XII, 107; J. pr.

Chem. XLII, 247. 3 ) Mulder, Seheik. Onderzoekingen (1847), IV, 639;

J. pr. Chem. XLVIII, 90.