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Gruppe III. Chemische Industrie.
Der Schlichte der Weberei lässt sich durch Versetzen mit Salicyl-säurelösung eine längere Haltbarkeit ertheilen. Ebenso wirkt ein Zu-satz derselben auf Kleister, auf Blut- und Hühnereiweiss. Die lästigeSchimmelbildung der Schreibtinte wird dadurch vermieden.
Die bekannte intensiv violette Färbung, welche durch Salicylsäureden Eisenoxydsalzen ertheilt wird, würde sich zur Herstellung violetterFarben und violetter Tinte verwerthen lassen.
Für die Parfümerie ist die Salicylsäure nach Hrn. Wagner einunschätzbarer Gewinn. Neben dem künstlichen Gaultheriaöl, dem Sali-cylsäuremethyläther, werden auch die entsprechenden Aethyl- und Amyl-ätlier zum Parfümiren und Aromatisiren Verwendung finden.
Kaliumsalicylat zeigte Hrn. R. Wagner beim Aufbewahren unterZersetzung und Gelbwerden einen intensiven Rosengeruch und gab beider Destillation mit Wasser ein nach Rosen riechendes Destillat, wo-durch die Herstellung von Roseuwasser aus Salicylsäure möglich er-scheint.
Hr. Weiske 1 ) schlägt vor, die Salicylsäure zum Titriren, besondersbeider nach Varrentrapp und Will ausgeführten Stickstoffbestim-mung, zu benutzen. In einer Salicylsäurelösung wird durch Zusatzvon Eisenchlorid die violette Färbung hervorgebracht. Sodann wirddurch Hinzutropfen verdünnter Natronlauge die Flüssigkeit genau neu-tralisirt, wobei sie eine rothgelbe Farbe annimmt. Von dieser Flüssig-keit setzt man ein wenig der zu titrirenden Säure zu, welche anfangsungefärbt bleibt. Je mehr sie aber beim Titriren mit Natronlaugeneutralisirt wird, desto intensiver tritt die violette Färbung hervor, bisnach vollen Toter Neutralisation der geringste Ueberschuss von Natron-lauge die Farbe wieder verschwinden macht.
Die Discussion über den Werth der Salicylsäure als Arzneimittelist keineswegs schon abgeschlossen. Es werden noch immer zahlreicheVersuche angestellt, welche die hohen Erwartungen, die man in diefäulnisswidrigen Eigenschaften der Säure gesetzt hat, theils erfüllen,theils herabsetzen und zerstören. Die Literatur darüber ist bereitsrecht angeschwollen 2 ). Wenn auch die eminent antiseptischen Eigen-schaften der Salicylsäure nicht in Abrede gestellt werden können, sowirft sich doch die Frage auf, ob nicht andere Körper diese Eigen-schaften in ähnlichem Grade besitzen und aug anderen Gründen einenVorzug verdienen. . Es wirken wohl alle die Körper, welche die Eiweiss-stoffe fällen, sofern sie die erforderlichen physikalischen Eigenschaftenhaben, antiseptisch. Salicylsäure und ähnliche Körper fällen allerdingsnicht die Lösungen jeder Art Eiweiss. Es findet hier eine für die klein-sten Organismen direct giftige Wirkung statt. Es bietet sich zum Ver-
’) Weiske, J. pr. Chem. XII, 157. a ) Sielie die Anmerkung amSchlüsse des Aufsatzes.