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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

SS : = C « TI '' 011 + C ö H 4 Na . ONa

2 Mol. Phenolnatrium Phenol Dinatriumphenol0«H*Na . ONa + COO = C G II 4 QNa

Dinatriumphenol Natrinmsalicyls. Natrium

Sehr bemerkenswert!! ist es, dass bei der Temperatur, bei welcheraus Phenolnatrium mit Kohlensäure Salieylsäure erhalten wird,Phenolkalium die isomere Paraoxybenzoesäure liefert 1 ), währendbei niedrigerer Temperatur aus Phenolkalium ebenfalls Salieylsäure ent-steht; ja wie Hr. Ost im Kolbeschen Laboratorium beobachtet hat 2 ),zerfällt salicylsaures Natrium beim Erhitzen auf 220° in natriuinsali-cylsairres Natrium, Phenol und Kohlensäure; salicylsaures Kalium da-gegen bei derselben Temperatur in kaliumparaoxybenzoesaures Kalium,Phenol und Kohlensäure. Diese Reactionen gehen im Sinne folgenderGleichung vor sich:

2C « H * iS ON. = ° H (ÜUON. +°> H 0H + C0 -

Baryt, Strontian, Kalk und Magnesia liefern nach Hrn. Ost bei 220°Salieylsäure, wirken also wie Natron.

Kolbes Patent bezieht sich nicht allein auf Phenol, sondernauch auf Kresol und die homologen Körper, welche Kresotinsäure undHomologe liefern.

Diese Entstehung der Salieylsäure aus Phenol (Carbolsäure) undKohlensäure und die bekannte Eigenschaft derselben, in höherer Tempe-ratur wieder in Carbolsäure und Kohlensäure zu zerfallen, brachtenHrn. Kolbe auf die Vermuthung, dass sie, ähnlich der Carbolsäure,antiseptische Wirkungen äussern möge. Dahin zielende Versuche sindtheils von Hrn. Kolbe, theils von anderen Chemikern und vonAerzten angestellt worden und sind noch im Gange. Sie haben dieobige Vermuthung bereits vollauf bestätigt, und so ist die Salieylsäureals solche und in Form verschiedenartiger Präparate in die Hände desPublicums gelangt. Besonders die Heilkunde hat die Einführung derSalieylsäure in den Arzneischatz mit grossem Enthusiasmus begrüsst.In der Chirurgie, der Gynäkologie, bei der Behandlung von Krankhei-ten, die durch Blutzersetzung veranlasst werden und deren Ursache inder Entwickelung von Mikrozoen liegt, wie Diphtheritis u. a., sowiein der Veterinärpraxis hat sie bereits erspriessliche Dienste geleistet.Ihre gährungshemmenden Eigenschaften machen sie für die Keller-wirthschaft in Bezug auf Wein und Bier sehr wichtig, wie die Ver-suche Hrn. Neubauers 3 ) und Anderer zeigen. Auch zur Conservirung

B Kolbe, J. pr. Ghem. X, 103. 2 ) Kolbe, J. pr. Chem. XI, 24;

Ost, J. pr. Chem. XI, 385. 3 ) Neubauer, J. pr. Chem. XI, 1 u. 354;

Dingl. pol. J. CCXV, 169.