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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
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Organische Säuren.

nach längerem Einleiten der Kohlensäure fangt Phenol an abzudestil-liren, später in reichlicher Menge. Zuletzt steigert man die Tempe-ratur auf 220 ü bis 250°. Die Operation ist beendet, wenn bei dieserTemperatur unter fortwährendem Einleiten von Kohlensäure keinPhenol übergeht.

Das Verfahren kann (nach dem französischen Patent) in der Weiseetwas abgekürzt werden, dass man das Phenol und das Alkalihydratin einer eisernen Retorte erwärmt und dabei die Temperatur einigeZeit lang, auf 180° erhält, um alles Wasser und das überflüssige Phenolzu verjagen, das man in geigneten Gefässen auffängt. Alsdann leitetman in die Retorte Kohlensäure.

Der nach beendeter Reaction, d. h., wenn von dem unter fort-währendem Einleiten von Kohlensäure schliesslich auf 250° erhitztenRetorteninhalt kein Phenol mehr abdestillirt, bleibende Rückstand istbei gut geleiteter Operation von graulich weisser Farbe; er besteht ausnatriumsalicylsaurem Natrium.

Dies ist in Wasser mit dunkelbrauner Farbe sehr leicht löslich. AufZusatz von Salzsäure zu dieser Lösung gesteht das Ganze zu einemdicken Brei von ausgeschiedener Salicylsäure. Das dicke Magma wirdin leinene Spitzbeutel gebracht und durch Pressen von der Mutterlaugevollständig befreit. Durch Umkrystallisiren, Sublimiren oder andereReinigungsmethoden erhält man die Salicylsäure fast rein, sie hat nureinen Stich ins Gelbliche. Hr. Rautert 1 ) theilt mit, dass die Säureleicht entfärbt werden kann, wenn man sie in einer Retorte auf 170°erhitzt und sodann einen Strom überhitzten Wasserdampfs (von 170°)in die Retorte injicirt. Die Salicylsäure destillirt dann sogleich ganzfarblos, und nach kurzer Zeit bleibt nur eine Spur einer schwarzenharzartigen Masse in der Retorte. Der Apparat muss so arrangirtsein, dass der Retortenhals auf mechanische Weise, z. B. durch eineneingelassenen beweglichen Draht von Krystallen, frei gehalten werdenkann. Ilr. Endemann 2 ) empfiehlt fractionirte Fällung der Säure.Wenn zuerst nur etwa V 20 der Salicylsäure gefällt wird, so erhält maneinen fast schwarzen Niederschlag, der alle färbenden Stoffe enthält,und die weitere Fällung ist weiss. Hierbei ist ein Verlust an Säureunvermeidlich.

Den Chemismus bei dieser Entstehung der Salicylsäure erklärtHr. Kolbe in folgender Weise. In zwei Moleeulen Phenolnatrimnfindet unter Einwirkung der Kohlensäure ein Austausch von Wasser-stoff und Natrium in der Weise statt, dass einerseits Phenol, anderer-seits Dinatriumphenol resultirt, welch letzteres sich direct mit Kohlen-säure zu natriumsalicylsaurem Natrium verbindet:

*) Rautert, Dingl. pol. J. Apr. 1875; Ber. cliem. Ges. 1875, 537.

2 ) Endemann, Americ. Chem. VI, 47.