438
Gruppe III. Chemische Industrie.
in Phenol und Kohlensäure, die Ansicht auszusprechen, dieselbe möchtein derselben Beziehung zum Phenol stehen, wie die Aethylkohlensäurezum Aethylalkohol D.
Im Jahre 1860 wurde dann in der That von den II.Hrn. Kolbeund Lautemann 2 ) die Salicylsäure synthetisch durch Einleiten vonKohlensäure in Phenol, während gleichzeitig Natrium sich darin auf-löst, dargestellt.
Im Jahre 1874 nahm Hr. Kolbe 3 ) dies Verfahren wieder aufund kam dabei zu dem wichtigen Resultat, dass die Säure sich auchdurch Einwirkung von Kohlensäure auf Phenolnatrium, welches durchSättigen von Phenol mit Aetznatron entsteht, darstellen lasse. Derbillige Preis des Aetznatrons gegenüber dem des Natriums ermöglichtenohne Weiteres eine fabrikmässige Darstellung der Säure.
Dies Verfahren, welches Hrn. Kolbe in den meisten Ländernpatentirt ist, besteht in folgenden Operationen, deren Beschreibungin Kolbe’s eignen Worten folgen möge.
„Man löst in der käuflichen starken rohen Natronlauge von ermit-teltem Natrongehalt so viel krystallisirtes, zuvor geschmolzenes Phenolauf, dass das Natron und Phenol sich gerade absättigen, dampft danndie Lösung in einem flachen eisernen Gefäss ein und erhitzt die resul-tirende, zuerst zähe teigige Masse bei gelindem Feuer unter beständi-gem Durchkrücken derselben, zuletzt unter Zerreiben mit einem schwerenPistill bis zur staubigen Trockne. Dieses trockne Product ist Natrium-phenol. Dasselbe hat stets eine röthlich gelbe Farbe, wohl Folge par-tieller Veränderung während des Eindampfens durch den Sauerstoff derLuft, ist sehr hygroskopisch und muss, da ein feuchtes Natriumphenolschlechte Ausbeute an Salicylsäure giebt, noch heiss in verschliessbareGefässe gebracht und darin bis zur Verwendung, vor feuchter Luftgeschützt, aufbewahrt werden. Nimmt man beim Vermischen vonPhenol und Natronlauge von dem einen oder anderen mehr als gleicheMolecule, so hat das Natriumphenol nicht nur ein verschiedenes An-sehen (hei Anwendung von überschüssigem Phenol wird es dunkel-braun), sondern liefert auch viel weniger Salicylsäure.
Das so bereitete trockne Natriumphenol wird, wenn es sich um Dar-stellung grösserer Mengen handelt, am besten in einer metallenen Re-torte mittelst Oel-, Metall- oder Luftbad langsam erhitzt. Man beginntmit dem Einleiten der trocknen Kohlensäure in nicht zu raschem Gas-sfrrom, wenn die Temperatur im Inneren des Retorteninhalts ungefähr100° erreicht hat. Man lässt die Temperatur langsam höher gehen,bis sie im Verlauf mehrerer Stunden gegen 180 n erreicht hat. Erst
B Kolbe, Arm. Ohem. Pliarm. LXXXVI, 148. 2 ) Kolbe u. Laute-
mann, Ann. Cliem. Pharm. OXIII, 125; CXV, 201. 3 ) Kolbe, J. pr.
Ohem. X, 89; Dingl. pol. J. CCXIII, 165.