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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Säuren.

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Salicylsäure.

Wenn in der Plienylgruppe der Benzoesäure ein Wasserstoffatomdurch die Hydroxylgruppe (0 H) substituirt wird, so entsteht Oxybenzoe-säure, C (; IL t (0 II) . CO . 0II. Den heutigen Anschauungen über dieConstitution der aromatischen Körper gemäss sind von dieser Ver-bindung, da sie ein zweifach substituirtes Benzol darstellt, drei isomereModificationen möglich. Dieselben sind in der That alle drei be-kannt. Eine von ihnen, die Orthooxybenzoesäure, d. h. eine Oxyben-zoesäure, in welcher die Hydroxyl- und die Carboxylgruppe zwei be-nachbarte Wasserstoffplätze des Benzolmolecüls einnehmen, ist dieSalicylsäure.

Die engen Beziehungen, in welchen diese Säure einerseits zumIndigo, andererseits zum Phenol steht, haben viele Chemiker veranlasst,sich eingehend mit ihrem Studium zu beschäftigen. Die letztere Be-ziehung hat ihr in jüngster Zeit durch die werthvollen Untersuchun-gen des Hrn. H. Kolbe eine bedeutende technische Wichtigkeit ver-liehen.

Die Salicylsäure ist im Jahre 1838 vonPiria 1 ) und von Ettling 3 )entdeckt worden. Diese Chemiker erhielten sie durch Oxydation desSalicylaldehyds, der, unter dem Namensalicylige Säure bekannt, inden Spiräaarten vorkommt und aus einigen G-lucosiden zu erhaltenist. Die H.Hrn. Löwig und Weidmann 3 ) wiesen 1840 das Vor-kommen auch der Salicylsäure selbst in den Blüthen von Spiraea ul-maria nach, und Hr. Cahours 4 ) zeigte 1844, dass das Wintergreenöl,das ätherische Oel der Gaiütheria procimbens , grösstentheils aus demMethyläther der Salicylsäure bestehe. Später, 1852, bereitete Hr.Gerl and 5 ) die Säure, indem er salpetrige Säure in eine wässerigeLösung von Anthranilsäure leitete:

2C 7 H :i (SII,)0 2 + N 2 0, = 2 C 7 IL, (011)0, + N 4 -f H 2 0.

Diese Beaction verknüpft die Salicylsäure mit dem Indigo, denn dieAnthranilsäure ist ein Oxydationsproduct des letzteren:

C 8 1-I ä N 0 + 2 0 + H, 0 = C 7 H 7 N0 2 + C0 2 .

Sie ist ferner insofern von Interesse, als Hr. Kolbe durch sie veran-lasst wurde, in Hinblick auf die leichte Zersetzbarkeit der Salicylsäure

') Piria, Ann. cliim. phys. LXIX, 298; Liebigs Ann. Ckem. XXX, 165;XCIII, 262. 2 ) Ettling, Ann. Chem. Pharm. LIII, 77. 3 ) Löwig und

Weidmann, J. pr. Cliem. XIX, 236. 4 ) Cahours, Ann. chim. phys. [3],

X, 327; XIII, 90 und 113; XXVII, 5; Ann. Chem. Pharm. XLVIII, 61.6 ) Glerland, Chem. Soc. Quart. Journ. V, 133; Ann. Chem. Pharm.LXXXVI, 143.