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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Sauren. 429

in der Gruppe der aromatischen Verbindungen die Benzoesäure C 7 H s 0 2 .Diese ist phenylirte Ameisensäure oder das Monocarboxylsubstitutions-product des Benzols : C 6 Il 5 . C 0 0 H.

Diese einfache Constitution macht es erklärlich, dass man ihrerBildung sehr häufig begegnet und dass sie in mannigfaltigster Weisekünstlich erzeugt werden kann. Aber auch in der Natur findet siesich in vielen Vegetabilien vor. Ja, sie ist die erste Säure, welche inreinem Zustande direct aus pflanzlichem Material dargestellt wordenist. Sicher hat sie bereits im Jahre 1608 Blaise de Vigeneredurch Sublimation aus Benzoeharz erhalten. Sie wird, oft begleitetvon Zimmtsäure, in vielen Harzen und wohlriechenden Balsamen, be-sonders im ßenzoeharz, angetroffen, ferner in den Früchten, Rinden undSamen der Glieder vieler Pflanzenfamilien.

Für medicinische Zwecke muss die Benzoesäure durch Sublimationaus Benzoesäure dargestellt werden, da ihr alsdann Spuren eines flüch-tigen, stark vanilleartig riechenden Oeles anhaften, dessen Beimengungvon nicht unwesentlicher Bedeutung zu sein scheint. Die Benzoe istein aus der Rinde des auf den Sundainseln und in Siam einheimischenStyrax Benzoin Bryand. ausfiiessendes Harz und kommt je nach demäusseren Ansehen als Benzoe in lacrymis, B. in massis und B. amyg-daloides in den Handel.

Ueber die Darstellung und das Vorkommen der Benzoesäure indem Benzoeharz liegt eine neuere, ausführliche Arbeit von Hrn.J. Löwe 1 ) vor. Die Annahme, dass die Benzoesäure in dem Benzoe-harz fertig gebildet und frei enthalten sei, ist, wie Hr. Löwe eon-statirt, irrig; ein grosser Theil der Säure erzeugt sich erst beimSchmelzen des Harzes unter Bildung von Wasser. Sie ist kein Productder Oxydation, denn beim Erhitzen von Benzoeharz an der Luft undin sauerstofffreier Atmosphäre wurden von Hrn. Löwe stets gleicheMengen Säure, etwa 14 bis 15 p. C., erhalten. Nur ein gewisser TheilSäure ist aus dem Benzoeharz durch Behandeln desselben mit wein-geistiger Natronlauge oder durch Lösen desselben in Alkohol, Fällenmit Wasser und Krystallisation der heissen wässerigen Lösung auszu-ziehen. Die grössere Menge Säure bildet sich erst bei der Sublimationdes Harzes bei einer Temperatur von etwa 165°.

Zur Gewinnung der Säuren durch Sublimation dient, wie Hr.Löwe hervorhebt, am praktischsten der seiner Zeit von Hrn. Mohrzu diesem Zwecke angegebene einfache Papier-Apparat; wenigstens sindBedeckungen von Pappe oder gar Holzkasten zum Auffangen des Subli-mats nicht so geeignet, denn da bei dem Sehmelzprocess des Benzoe-harzes eine andauernde Wasserbildung stattfindet, so haben alle festeren

*) Löwe, J. pr. Cliem. OVIII, 257; Ohem. Centralbl. 1870, 211; Wagn.Jahresber. 1870, 259.