Organische Sauren. 417
zu beschaffende Materialien in die Oxalsäurefabrikation einzuführen.Hr. Possoz 1 ) hat angegeben, durch Erhitzen von Weizenkleie mitKaliumhydrat 150 Oxalsäure aus 100 Kleie erhalten zu haben. Hr.Thorn 2 ), der dasselbe Material der Prüfung unterzog, hat im bestenFalle, durch Erhitzen von 50 Kleie mit 40 KHO und 60 Na HO auf240 bis 245°, 79 bis 82 p. C. Oxalsäure auf 100 Kleie berechnet erhal-ten. Man erhält eine reine, sehr wenig gefärbte Oxalsäurelauge. DieKleie hat hiernach in Bezug auf Ausbeute vor dem Holz nichts vorausund ist ein weit kostspieligeres Rohmaterial.
Hr. Thorn hat seine Versuche auch auf Lignose ausgedehnt.Es ist dies bekanntlich reine Cellulose, Holzfaser, welche durch Kochenmit Salzsäure von der incrustirenden Substanz befreit worden ist. Dieletztere wird durch verdünnte Salzsäure in Traubenzucker übergeführtund so liesse sich vielleicht die Gewinnung von Traubenzucker resp. Al-kohol mit der Darstellung reiner Holzfaser und weiter von Oxalsäurecombiniren. Beim Erhitzen einer Quantität Lignose, welche 50 Ge-wichtsthln. Holz entsprach, mit 100 Natriumhydrat, wobei in dünnenSchichten auf 205° resp. 240° erhitzt wurde, war die Ausbeute nur 22resp. 31 p. C. Oxalsäure auf 100 Holz berechnet. Es scheint hiernach,dass die schwammige Cellulose mehr zur Bildung von Oxalsäure beiträgtals die nach der Behandlung mit Salzsäure zurückbleibende Lignose.
Hr. Pernod 3 ) will die im Krapp enthaltene Oxalsäure bei Gele-genheit der Garancindarstellung verwerthen. Garancin ist bekanntlichKrapp, der zur Zerstörung einiger dem Färben hinderlicher Stoffe mitSchwefelsäure oder Salzsäure behandelt worden ist. Diese Säure ent-hält die durch Zersetzen des im Krajsp enthaltenen Calciumoxalats freigewordene Oxalsäure, die in geeigneter Weise daraus rein dargestelltwerden kann.
Hr. Ii. Müller 4 ) empfiehlt die Wiedergewinnung der Oxalsäure(und Weinsäure) aus den bisher in der Aetzküpe verloren gegebenenRückständen vom Aetzen türkischrother Gewebe, worüber der Artikel„Weinsäure“ einige Information bringt (vergl. d. Ber. II, S. 424).
Herr Tessie du Motay 5 ) verwendet nach einem französischenBrevet das Rübenmark zur Darstellung von Oxalsäure. Er behandeltdasselbe mit Aetzalkalien in gleicher Weise wie dies mit der Celluloseder Fall ist.
Die Oxalsäure und einige ihrer Salze, besonders das Kaliumbioxalat(Kleesalz), finden eine ziemlich ausgedehnte Anwendung. Eine grosseMenge Oxalsäure wird in der Kattundruckerei als Aetzbeize gebraucht,
*) Possoz, Wagn. Jaliresber. 1858, 110. 2 ) Tliorn, a. a. O. 3 ) Per-
nod, Mouit. de la teinture 1870, 10; Din gl. pol. J. GXGV, 478; Wagn.Jakresber. 1870, 579. 4 ) Müller, Gliem. Centralbl. 1871, 134 und 287;
Dingl. pol. J. CC, 227. 6 ) Tessie du Motay, Bull. soc. chim. 1874, 287.
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