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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Essigsäure.

4 676 674 Literprocent Alkohol,

3 951 694 Kiloprocent Essigerhalten wurden. Mit Zugrundelegung der oben angeführten Berechnung-weise sind also aus 100 Thln. 84'5 Thle. erzielt, und da der Fabrikations-verlust mit in dieser Zahl liegt, so kann dies Ergebniss als ein günstigesbezeichnet werden. In der von mir geleiteten Fabrik werden im Augen-blick nach den mir vorliegenden Zahlen von 10 000 Literprocent Alkohol8 400 Kiloprocent Essigsäure erhalten. Der Verlust steigt ganz enorm,sobald die Essigbilder zu heiss werden, und die Vertheilung eine schlechteist, überhaupt ein unregelmässiger Betrieb stattfindet. Dreissig und mehrProcent Verlust sind dann nicht selten vorkommende Erscheinungen.

Die grosse Mehrzahl der bestehenden Essigfabriken arbeitet miteinem Durchschnittsverlust von ca. 20 p. C., insofern sie es schwerermöglichen, bei Sommertemperatur und namentlich bei häufig eintre-tendem Gewitter einen absolut geregelten Gang einzuhalten und so-mit die Minimalverlustgrenze zu erreichen.

Der zur Weiterverarbeitung gelangende Spiritusessig besteht ausreiner verdünnter Essigsäure neben geringen Mengen von Alkohol undden sich aus diesem und den Homologen bildenden zusammengesetztenAethern. Er unterscheidet sich also sehr wesentlich von dem rohenHolzessig, der, wie oben bemerkt, neben den schon schwierig entfern-baren empyreumatischen Substanzen noch die ganze Reihe der homo-logen Fettsäuren bis zur Capronsäure aufwärts enthält. Dies bedingtdenn auch die sehr verschiedenen Aufbereitungsweisen. Der Essig wirdeinfach mit Kalk, Soda, Potasche u. s. w. neutralisirt und liefert nachdem Verdampfen ohne weitere Schwierigkeiten die entsprechenden fastreinen Salze. Für die Darstellung von Bleizucker, dessen Krystalli-sationsfähigkeit ungemein leicht durch geringe organische Beimengun-gen beeinträchtigt wird, destillirt man zuvor den Essig und lässtgleich die heissen Essigdämpfe auf das Bleioxyd ein wirken.

Anders liegt die Sache bei dem Holzessig. Hier ist vor Allemdas Empyreuma wegzuschaffen und dies ist schwerer als es im erstenAugenblick erscheint. Da viele Holzschwelereien sich mit der Rein-darstellung der Essigsäure nicht befassen, so bringen sie den Holzessignur in eine transportfähige Form. Sie binden die Säure an Kalk,dampfen die Lösungen ein und trocknen das Salz auf eisernen Röst-betten, welche zur Ersparung von Brennmaterial gewöhnlich über denSchornsteinzügen angebracht sind. Es kommt dann das Salz als grauekörnige Masse unter dem Namen Weisskalk, dessen Gehalt an Essig-säure circa 60 p. C. beträgt, in den Handel.

Die von Richter *) vorgeschlagene Substitution des Baryts fürKalk, welcher Vorschlag darauf fusst, dass das Bariumacetat in der

!) Richter, Dingl. pol. J. CLXXXII, 174.