Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
398
Einzelbild herunterladen
 

398

Gruppe III. Chemische Industrie.

freien Alkohol anzuwenden, da der Ertrag an Säure sich mir nach demGehalt an Aethylalkohol nicht nach dem von dem Alkoholometer an-gezeigten Alkoholgraden richtet. Das Vorkommen von Aldehyd imAlkohol ist ganz besonders nachtheilig; grössere Mengen vermögen dieOxydation völlig aufzuheben. Diese eigentlich auffallende Thatsacheist mit der Angabe Pfund s, dass bei ungenügendem Luftzutritt Alde-hyd entstehen soll, schwer zu vereinigen. Bei der aus der Abhandlunghervorgehenden trefflichen Beobachtungsgabe des Ilrn. Pfund undder Thatsache, dass derselbe so dargestellten Aldehyd zur WienerAusstellung gesendet hatte, kann man in die Angabe selbst kein Miss-trauen setzen. Dem Verfasser ist es nicht gelungen, Aldehyd mitSicherheit nachzuweisen und bedarf also diese Frage wohl noch einererneuten Untersuchung.

Was die Ausbeute anlangt, so ist dieselbe bei gut construirtenGeneratoren eine sehr befriedigende. Theoretisch würde man aus 1Mol. Alkohol 1 Mol. Essigsäure zu erwarten haben. Da die Volum-gewichte ziemlich genau in gradem Verhältniss der Moleculargewichtedes Alkohols und der Essigsäure stehen, nämlich 0794 : 1'063 = 46 : 60,so kann man für die Praxis einfach rechnen, dass theoretisch 1 Liter-procent Alkohol 1 Kiloprocent Essigsäure liefern muss, eine Bechnungs-weise, die sich um so mehr empfiehlt, als man gewöhnt ist, den Alko-hol nach Literprocenten einzukaufen, die Essigsäure aber nach Kilo-procenten zu verkaufen. Das Verhältniss der wirklichen zur theoreti-schen Ausbeute wird zunächst durch die Methode selbst herabgedrückt.Berücksichtigt man die enormen Luftmengen, welche mit einer Tempe-ratur von 35 bis 40°C. den Generator verlassen, so wird man nichtfehlgreifen, wenn 3 bis 5 p. C. durch die Verdunstung herbeigeführt,als unvermeidlicher Verlust berechnet werden. Ein gewisser Procent-satz ist auch durch den schwer vermeidlichen Gehalt des Aethylalkoholsan höheren Homologen in Anschlag zu bringen. Endlich entzieht sicheine gewisse Menge Alkohol der Oxydation überhaupt.

In einem Essigsprit aus gut arbeitenden Generatoren sind immermehrere Zehntel Procente Alkohol nachzuweisen, und zwar um so mehr,je stärker der Essig ist. Man muss also wohl auf ca. 10 p. C. derAusbeute von vornherein verzichten. Was darüber hinaus verlorengeht, ist bei gut geleitetem Betriebe unbedeutend. Arbeitet man nichtzu langsam, etwa mit den oben angegebenen Mengen pr. CubikmeterFüllraum, so werden im Ganzen 14 bis 16 p. C. eingebüsst, bei langsameremArbeiten und namentlich, wenn nur schwache 6 bis 7 procentige Essigedargestellt werden, spart man wohl einige Procente daran, so dass alsMinimalverlnst etwa 12 p. 0. angenommen werden kann. Einer gütigenPrivatmittheilung des Hrn. Brunquell (Bleiweissfabrik in Ohlau) ver-danke ich die Angabe, dass während eines ganzen Jahresbetriebes aus