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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Essigsäure.

tion aufhört, sondern dass bei grossem Ueberschuss von Luft und ho-her Temperatur, wie sie in einem solchen Falle gewöhnlich in denBildern eintritt, die Essigsäure weiter zu Kohlensäure oxydirt wird,ganz abgesehen davon, dass die höhere Temperatur zugleich eine grös-sere Verdunstung bedingt. Da für das Essiggut unzureichende Luft-mengen selbstverständlich weniger Essig geben, ja nach Pfund 1 ) er-hebliche Mengen von Aldehyd liefern, so ist vor Allem eine genaueRegelung der zutretenden Luftmengen erforderlich, und zwar, wiesich dies von selbst versteht, eine den äusseren Einflüssen Rechnungtragende. Man erreicht dies am sichersten, wenn man die verbrauchteLuft durch einen mit Regulirvorrichtung versehenen Canal mittelsteines gut ziehenden Schornsteins, etwa eines Dampfkesselschornsteins,oder, wo dies angeht mittelst eines Ventilators wegnimmt. Das ge-wöhnliche, weitaus gebräuchlichere Verfahren ist: die Luft von untenin den Generator einzuführen, so dass also Essiggut und Luft in ent-gegengesetzter Richtung auf einander treffen. Die Luft tritt in diesemFalle durch verstellbare Oeffnungen ein und wird oben beim Austrittvon einem rohrartigen Aufsatz nach dem Schornstein geführt.

Nach dem Vorgänge der schon von Liebig in seiner oben citirtenAbhandlung rühmlichst erwähnten Essigfabrik von Riemerschmidtführt man auch wohl die Luft von oben in die Generatoren und ziehtdie verbrauchte Luft unten mittelst eines gut ziehenden Schornsteinsab. Der Vortheil dieser letzteren Methode liegt auf der Hand. Essig-gut und Luft fallen mit einander, die austretende Luft ist mit fertigemEssig in Berührung und kann also nur von diesem mitführen, wogegenbei dem alten Verfahren die verbrauchte Luft auf frisches Essigguttrifft und sich also mit dem weit flüchtigem Alkohol beladen kannund in der That auch belädt.

Da die abziehende Luft, wie wir noch sehen werden, die eigentlichunvermeidliche Quelle des Verlustes, der bei der Essiggährung überhauptstattfindet, bildet, so ist es klar, dass in dem letzteren Falle dieser Ver-lust ein grösserer sein muss. Es kommt noch hinzu, dass der Luftzugschwerer regulirbar ist, wenn die Luft oben abgeführt wird, insofern indiesem Falle die Verbindung mit dem Schornstein aus leicht begreiflichenGründen keine absolut dichte sein kann. Der dem neuen Verfahren zumachende Vorwurf, dass, wenn unverbrauchtes Essiggut in die unterenSchichten des Bilders gelangt, dasselbe nicht mit reiner zur Oxydationausreichend sauerstoffhaltigen Luft in Berührung ist, darf als nichtstichhaltig angesehen werden, da die Luft niemals ganz entsauerstofftist, wenn sie aus dem Bilder tritt, sondern noch immer, soweit dar-über etwas bekannt geworden, ca. 10 p.C. Sauerstoff zurückhält. Dereinzige Uebelstand bei dem Verfahren ist localer Natur. Gewöhnlich

Pfund, Dingl. pol. J. CCXI, 280 und 367.