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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

zu rasch verschwinden, das Perlen des Schaumweines soll anhaltend sein.Um dies zu erreichen ist Kenntniss bei der Wahl der Traubensorten,Ueliungund grosse Aufmerksamkeit bei der Bereitung der Weine nöthig.

Die ersten Schaumweine, die sich einen grossen Namen erworbenhaben, sind bekanntlich die Weine der Champagne und werden jetztin Frankreich jährlich 16 bis 18 Mill. Flaschen erzeugt.

In Deutschland sollen die ersten Schaumweine von einem Kauf-mann, C. Häusler 1 ) in Kirchberg in Schlesien, fabrikmässig dargesteiltworden sein. Im Jahr 1850 gab es in Deutschland 43 Häuser, welcheSchaumweine fabricirten, mit einer jährlichen Production von 1 275 000Flaschen. Nach dem deutschen Katalog der Wiener Weltausstellungbestanden 1873 in Deutschland 50 Fabriken mit einer Production vonetwa 4 000 000 Flaschen.

Unter den deutschen Schaumweinen sind zwei Sorten wesentlichvon einander verschieden. Die einen werden nach der französischenMethode vorzugsweise aus blauen Trauben dargestellt, zu den anderen,sogenannten moussirenden Rheinweinen, werden Rhein- oder Mosel-weineverwendet; letztere zeichnen sich durch das diesen Weinen eigeneBouquet aus. Die ersteren werden vorzugsweise in Bayern, Wiirtem-berg und Baden, letztere im Rheingau und an der Mosel fabricirt.Beide Sorten fanden bei dem Preisgericht in Wien grosse Anerkennungund wurde einstimmig erklärt, dass man in Deutschland grosse Fort-schritte in der Schaumweinfabrikation gemacht hat.

Bei schwarzen Trauben muss selbstverständlich das Keltern raschnach dem Zerstampfen der Trauben vorgenommen werden, wenn maneinen weissen Wein haben will.

Den Most lässt man in Kufen sich ahsetzen, zieht ihn nach 24bis 36 Stunden ab und lässt ihn in Fässern vergähren. Während dieeinen Fabrikanten dem Most je nach der Beschaffenheit desselben grös-sere oder kleinere Mengen Zucker zusetzen und die Gährung durch eineWärme von 15 bis 18° beschleunigen, lassen Andere den Most in kühlenKellern vergähren und setzen statt Zucker Weingeist oder Cognac-eu.Durch diese Zusätze wird der Alkoholgehalt erhöht, was dazu beiträgt,das Zähwerden des Weines und andere Krankheiten abzuhalten. DerZusatz von Zucker dürfte den Vortheil haben, dass dadurch mehr Hefeentsteht, also mehr Stoffe entfernt werden, welche später schädlich wir-ken können. Nachdem diese Gährung beendet ist, wird der Wein inein eingebranntes Fass abgelassen, mit Hausenblase geschönt und 4 bis6 Wochen liegen gelassen, abermals abgezogen und geschönt. Nachabermaligem Lagern von einigen Wochen wird der helle, junge Weinin Flaschen gefüllt.

I)r. W. Hamm, Das Weinbucli 137.