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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Weingeist. Wird aller Sauerstoff der Luft im Fass verwendet unddringt keine andere Luft mehr ein, so werden die 3 Hl Wein im Fassbei Bildung von Kohlensäure nur um 0'0048 und bei Bildung von Essig-säure um 0'0144 p. C. an Weingeist ärmer. Der Wein würde statt 8nur noch 7'9952, bez. 7'9856 p. C. Weingeist enthalten. Eine Abnahme,die wir mit unseren gewöhnlichen Apparaten nicht nachweisen können.Um den Wein 1 / 2 p. C. an Weingeist ärmer zu machen, muss bei Bil-dung von Kohlensäure die Luft über 100, hei Bildung von Essigsäure34 mal vollständig verbraucht und wieder erneuert werden.

Die Apparate zum Abhalten der schädlichen Wirkung der Luft aufden Wein müssen also in erster Linie die Diffusion der Gase vermindern.Die mit Baumwolle gefüllten Vorrichtungen sind wohl im Stande, dieLuft von den Keimen der Mycodermen zu reinigen, sie entsprechen aberden Anforderungen die Diffusion zu vermindern nicht. Die mit Wein-geist gefüllten Apparate bieten manche Missstände; sie sind zex-hrech-lich, der Weingeist verdunstet ziemlich rasch u. s. w. Ich habe deshalbeinen Apparat darstellen lassen *), welcher frei ist von diesen Miss-ständen. In einen von unten durchbohrten Spund wird ein kleinerApparat von Messing geschraubt, in welchem zwei Ventile so angebrachtsind, dass das eine sich hebt, wenn Wein abgelassen wird, das andere,wenn im Innern des Fasses durch Kohlensäure oder durch Erhöhungdes Wärmegrades ein Druck entsteht. Luft, welche beim Ablassen vonWein eindringt, wird durch in der Höhlung des Spundes enthalteneBaumwolle filtrirt.

Bei Wein, welcher durch Bildung von Essigsäure zu sauer gewor-denist, werden verschiedene Mittel angewandt, um einen Theil der Säuredes Weines zu neutralisiren.

Liebig hat vorgeschlagen, neutrales weinsaures Kali hierzu anzu-wenden. Er ging hierbei von der Ansicht aus, dass im Wein freie Wein-säure sei, welche sich mit dem neutralen weinsauren Kali verbindet undals Weinstein herausfällt. Nachdem nun Berthelot und deFleurieu 2 )in einer grösseren Anzahl französischer und ich in einer grossen An-zahl deutscher und fremder 3 ) Weine nachgewiesen haben, dass ganzallgemein im Wein keine freie Weinsäure enthalten ist, hat offenbardas neutrale weinsaure Kali keine andere Wirkung als eine äquivalenteMenge kohlensaures Kali; übrigens hätte selbstverständlich auch heiVorhandensein von freier Weinsäure eine entsprechend kleinere Mengereines kohlensaures Kali dieselbe Wirkung wie neutrales weinsaures Kali.

Kreide und anderer kohlensaurer Kalk wird zum Entsäuern von

B Nessler, Wochenbl. d. landw. Vereins in Baden 1874, Nro. 50.

2 ) de Eleurieu, Compt. rend. LVII, 394. 3 ) Nessler, Der Wein, seine

Bestandteile u. s. w. 10, und Wochenbl. d. landw. Vereins in Baden 1874,Nro. 27.