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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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306 Gruppe III. Chemische Industrie.

auf starken Weinen kein Kahm entsteht. Bei meinen Untersuchungenergab sich nun, dass auf gewöhnlichem, nicht zuckerhaltigem Wein My-coderma vini nur bei einem Weingeistgehalt unter 12 Vol.-Proc., Myco-derrna aceti noch bei einem Gehalt bis zu 13'4 Vol.-Proc. sich entwickelte,bei höherem Weingeistgehalt als 13*5 Yol.-Proc. hört auch die Ent-wickelung von Mycoderma aceti auf.

Bei grösserem Zuckergehalt des Weines scheinen die Pilze auchauf weingeistreichen Flüssigkeiten zu gedeihen. Aus England erhieltich unter dem Namen Flower-Sherry einen Wein von 14 Yol.-Proc.Weingeist, auf welchem sich Mycoderma vini entwickelte. Man gabmir an, dass solche Xeresweine in England besonders geschätzt seien.Es ist übrigens eine allgemein bekannte Thatsache, dass Weine, dienoch unvergohrenen Zucker enthalten, unter sonst gleichen Verhältnissendiesen und anderen Krankheiten mehr ausgesetzt sind, als Weine, inwelchen der Zucker vergohren ist.

Als älteste Mittel, den Wein vor der schädlichen Einwirkung derLuft zu schützen, haben wir das Aufgiessen von Oel und das Mischendes Mostes mit Ttfrpentin und anderen Harzen zu erwähnen. Die Wir-kungsweise des Oeles, das in Italien noch häufig angewandt wird, istsehr leicht zu verstehen. Dasselbe breitet sich auf dem Wein aus, hin-dert die Bildung der Mycodermen und hält die Luft ab. In der Türkeiund in Griechenland wird heute noch weitaus dem grössten Theil desdort zu eonsumirenden Weines Terpentin zugesetzt. Ich sah in Grie-chenland etwa 200 g dicken Terpentin dem Hectoliter Wein zusetzen.Der , Geschmack des Weines wird dadurch so wesentlich geändert, dassein Nichtkenner dieses sogenannten Resinatweines denselben nicht mehrfür einen Wein halten wird. Mit gehügend Wasser gemischt giebt erindess ein leidlich gutes Getränk.

Diese Harze können nun in verschiedenerWeise wirken; entwedersie wirken als Gifte für diese kleinen pflanzlichen Gebilde ähnlich derschwefligen Säure, oder aber und das scheint mir das Wahrschein-lichere der mit Harz gesättigte Wein scheidet durch Einwirkungder Luft oder durch theilweises Verdunsten des Weingeistes an seinerOberfläche eine äusserst dünne Schicht Harz ab, welche die Bildung derMycodermen und die Einwirkung der Luft verhindert. Ich sah in derThat an der Oberfläche solchen an der Luft stehenden Resinatweineseine ausserordentlich dünne Schicht entstehen, die ohne Zweifel vonHarz herrührte. So viel steht fest, dass nach den heutigen Kellern undder heutigen Wirthschaftsweise in Griechenland das Ansschenken vonWein ohne Harz nicht möglich ist. Die Räume, in welchen die Weineaufbewahrt werden, sind zu ebener Erde und haben im Sommer einenWärmegrad von 25 bis 30° und mehr; hier liegen grosse Fässer von

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J ) Nessler, Behandlung d. AVeines 47.