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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Trauben, welche von der Traubenkrankheit (Oidium Tuckeri) be-fallen sind, werden wohl in ihrem Weiterwachsthum, dagegen, wie esscheint, nicht in ihrer Reife gestört, wenigstens erhält man von solchenkranken Trauben, selbst wenn sie früh befallen wurden und die Beerenklein geblieben sind, doch einen guten Wein. Bei Untersuchungen,welche wir hier ausführten, fand man bei den klein gebliebenen Beeren(4 mm Durchmesser) mehr Zucker als bei den grossen Beeren (1 cmDurchmesser).

Eine hohe Bedeutung für die Erzeugung von Wein hat das Faulender Trauben.

In jedem Fall schwindet sehr rasch eine grosse Menge Wasser undZucker. Bei unseren Versuchen ') verschwanden in drei Tagen 37 p. C.Zucker, 0T1 p. C. Säure und 11 p. C. Wasser. Tritt dieses Faulen ein,so lange die Trauben noch viel Säure und verhältnissmässig wenigZucker enthalten, so entsteht selbstverständlich ein saurer Wein undder Producent hat Nachtheile in Quantität und keine Vortheile in Qua-lität des Ertrags.

Tritt das Faulen der Trauben nach vollendeter Reife ein, so ver-schwindet zwar nach Neubauer 2 ) ebenfalls eine grosse Menge Zucker,der Wein erhält aber mehr Bouquet und der geringere Ertrag an Quan-tität wird oft durch bessere Qualität des Weines mehr als ausgeglichen.

Bei den Rheinweinen wird denn diese sogenannte Edelfäule derRieslingtraube so viel als möglich abgewartet und werden hierdurchsowie durch die sorgfältige Auslese der einzelnen Beeren und durch diesachgemässe Behandlung die hochfeinen Rheinweine erzeugt.

Dass aus edelfaulen Trauben ein hochfeiner Wein erzielt werdenkann, soll durch Zufall im Jahr 1775 vom Domdechant in Hochheimbeobachtet worden sein 8 ). Aus faulen Trauben, welche man schon alsverloren ansah, soll damals ein Wein erzielt worden sein, der zu 5 fl.die Flasche verkauft wurde. Das späte Herbsten, das Abwarten derEdelfäule, das Auslesen der besten Trauben, ja der besten Beeren, fandnur sehr langsam Anerkennung und wird erst seit etwa 40 Jahren all-gemeiner ausgeübt.

Der Grundsatz, dass der Wein durch Ueberreife, ja durch theil-weises Austrocknen der Beeren an Güte und an Handelswerth zunimmt,gilt nur bei den Weissweinen.

Schwarze Trauben, welche zu Roth wein verwendet werden sollen,dürfen nicht überreif, nicht ausgetrocknet, ganz besonders nicht faulsein, weil der Wein sonst nicht die gewünschte Farbe erhält.

B Dr. Nessler, Der Wein, seine Bestandtheile u. s. w. Bei Focke inChemnitz, 3. 2 ) Neubauer, Chem. d. Weines 7. 3 ) Mittheilungen aus

der älteren und neueren Geschichte über den Weinbau am Bhein u. s. w.Mannheim bei T. Löffler, 1826, 29.