286 Gruppe III. Chemische Industrie.
sehr verschiedenen Einfluss. Zu Gaillac bestand nach Olivier de Ser-res ] ) ein Gesetz, welches das Düngen der Rehen verbot, weil die weis-sen Weine schlechter werden und der gute Ruf der Gegend Noth leide.In anderen südlichen Ländern, Spanien, Portugal, Italien, ist man eben-falls der Ansicht, dass Stalldünger die Güte des Weines vermindere.In Griechenland fand ich bei sehr grossen Erträgen verschiedene Most-proben nicht ausgetrockneter Trauben von 26 bis 29 p. C. Zucker. DieFelder werden schon seit sehr langer Zeit mit Reben bebaut und wur-den nie gedüngt. In Deutschland und so besonders auch im Rheingauist man der Ansicht, dass man nur bei genügend starker, besondersauch ammoniakalischer Düngung sehr gute Weine erhalte. Wenn nunin Deutschland bei kräftigem Boden durch stärkere Düngung auch dieQuantität vermehrt, die Qualität aber vermindert werden kann, so lässtsich doch nach allen Beobachtungen annehmen, dass zur Erzeugungeiner gewissen Menge von Zucker in den Trauben um so mehr Stick-stoff im Boden nöthig ist, je nördlicher die Rehen wachsen.
Nach meinen Untersuchungen 3 ) wird das IIolz der Reben durchDüngung mit Kalisalzen reicher an Kali und ist wohl anzunehmen,dass solche Düngung auch auf die Qualität der Trauben einen gewissenEinfluss ausübt, ein solcher ist indess noch nicht nachgewiesen.
3. Reife der Trauben.
Famintzin 3 ) hat im Jahr 1859 in Freiburg Trauben verschie-denen Reifegrades untersucht und folgende Ergebnisse erhalten:
Zeit der Entnahme
der Trauben
Für 100 cbcm Saft
Gewicht von
100 cbcm Saft
Trocken-
substanz
Freie
Säure
Zucker
17. Juli, alsbald nach
dem Verblühen . .
98-18
5-64
2-06
Spuren
22. Juli.
100'80
4-57
2-94
0-70
2. August .
100-87
4-10
3-06
0-91
15. August.
102-28
5-00
3-37
1-63
23. August.
103-12
9-50
2-60
6-20
15. September.
104-82
12-12
1-30
10-84,
22. September.
105-49
15-26
0-80
15-81
14. October.
107-72
18-09
0-71
20-00
B De Serres, Th6ätre d’agrioulture 1800, 175. 2 ) Landw. Versuchs-
stationen XVI, 185, 1873. 8 ) Famintzin, Bericht über die Verhandlun-
gen der naturhistorischen Gesellschaft in Freiburg i./B. II, 1860, 177.