Spiritusfabrikatioii. 269
passirt hat und hier bereits durch den ihr entgegensteigenden Dampfzum grössten Theil entgeistet ist, vollkommen von Alkohol zu befreien.Zur besseren Yertheilung des Dampfes geschieht der Eintritt desselbendurch ein durchlöchertes, ringförmig gebogenes Rohr.
Die entgeistete Schlampe muss aus der untersten Abtheilung ent-weder durch einen Hahn oder ein Ventil abgelassen werden, zuweilenfindet man übrigens auch selbstthätige Regulirvorrichtungen zum Ab-lassen der Schlampe.
Aus der untersten Blase steigt der Dampf durch einen Rohr-stutzen (13 cm hoch, 21 cm weit), der mit einer (29 cm weiten) Kappe,welche bis 2 1 /2cm auf den Boden der zweiten Blase herabreicht, ver-sehen ist, in die zweite Blase, während die Maische aus dieser Blasedurch ein 10cm weites Uebersteigrohr, dessen Oeffnung 8 cm überdem Boden der zweiten Blase befindlich ist und unmittelbar über demBoden der unteren Blase, oft sogar in einer Vertiefung derselben ange-bracht ist, in die untere Blase, also dem Strome des Dampfes entgegenheruntersteigt. Die Röhren zum Aufwärtsführen des Dampfes befindensich in der Mitte, die Maischübersteigerohre an den entgegengesetztenSeiten von je zwei Blasen, so dass die Maische in jeder Blase einenmöglichst weiten Weg zurückzulegen hat.
Der Dampf muss sich durch die 8 cm hohe Schicht in jeder Blasedrängen und bewirkt eine schnelle und vollkommene Entgeistung, dasich der Strom von Dampf und Maische in entgegengesetzter Richtungbewegt, also stets frischer Dampf mit bereits annähernd alkoholfreierMaische in Berührung kommt.
Auf der Destillationssäule des ursprünglichen Savalle’schenColonnenapparates befand sich eine Rectificationssäule von ganzähnlicher Einrichtung; dieselbe enthält gleichfalls ein System von über-einander gestellten flachen Blasen, welche durch Röhren mit einandercommuniciren, so dass die in der obersten Abtheilung condensirteFlüssigkeit, wenn dieselbe eine gewisse Höhe erreicht hat, durch einenRohrstutzen in die nächstuntere Blase herabsteigt u. s. w., bis dieselbeaus der untersten Blase der Rectificationssäule in die oberste Blase derDestillationssäule gelangt. Der Dampf wird in der Rectificationssäulenicht durch Rohrstutzen oder Kappen, sondern durch die siebförmigdurchlöcherten Bodenplatten der einzelnen Abtheilungen aufwärts ge-leitet, so dass die Flüssigkeit in den Blasen der Rectificationscolonnegewissermaassen von dem aufwärts strömenden Dampfe getragen wird.
Da der Colonnenapparat in der eben beschriebenen Form eine sehrbedeutende Höhe einnimmt, so setzt man häufig die Colonnen nicht aufeinander, sondern neben einander und verhindert hierdurch gleichzeitig,dass der Lutter mit seinem übelriechenden Fuselölgehalte wieder in dieMaische der Destillationssäule gelangt und von dort in die Schlampeübergeht.