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Gruppe III. Chemische Industrie.
Die continuirliclien Apparate besitzen eine bedeutend grössereLeistungsfähigkeit wie die älteren Pistorius’schen Apparate undgestatten die Gewinnung eines höherprooentigen Alkohols; irrig istaber der Glaube, dass durch dieselben mehr Alkohol gewonnen würde,denn zur vollkommenen Entgeistung der Maische waren auch die älte-ren Destillationsvorrichtungen ausreichend. Wenn in irgend einer Bren-nerei die Spiritusausbeute eine geringe ist, so darf dieselbe gewiss demApparate erst in letzter Linie zur Last gelegt werden.
Es würde zu weit führen, die zahlreichen Modificationen des Co-lonnenapparates, welche für den einen oder anderen Zweck ausgeführtsind, auch nur dem Namen nach anzuführen, da dieselben nur un-wesentliche Abänderungen des oben beschriebenen Apparates bilden.Nur des Illges’schen Colonnenapparates mag hier noch gedacht wer-den, welcher, zwar noch nicht hinreichend erprobt, sich aber durchsinnreiche Construction sehr empfiehlt. Inwiefern der Vorwurf, dassdie zahlreichen Regulir- und Nachflussvorrichtungen denselben zu com-plicirt machten, gerechtfertigt ist, muss erst die Erfahrung lehren.
Auf einem von den Colonnenapparaten ‘abweichenden Princip be-ruht der von C. Siemens construirte continuirliche Apparat. Der-selbe ähnelt dem L. Siemens’sehen Exhaustor - Maischkühler. DieMaische, welche entgeistet werden soll, fällt auf rotirende Scheiben ineinem Säulenapparat und wird durch den von unten aufsteigendenDampf entgeistet. Der zur Destillation dienende Dampf setzt bei sei-nem Eintritt in die Säule mittelst einer Dampfturbine die Scheiben,welche die herabfliessende Maische zu verstäuben haben, in Rotation.Erfahrungen über den Siemens’schen Apparat liegen bis jetzt nursehr wenige vor; in Cuba sollen drei derartige Apparate mit grossemErfolge zur Destillation von Zuckerrohrmelasse-Maischen dienen, undbei einem sehr geringen Brennmaterialconsnm ein sehr hochgradigesDestillat geben.
Als Material für Destillirapparate wurde früher ausschliesslichKupfer verwendet, neuerdings fängt man an, dasselbe durch Eisen,namentlich bei den continuirlichen Colonnenapparaten, zu ersetzen. ZurHerstellung billiger Destillirapparate wird von C. Siemens Holz miteisernen Böden und Decken empfohlen; in einzelnen Brennereien findensich sogar Destillirapparate aus rechtwinklig an einander gereihtenSandstein plätten (die besten derartigen Platten kommen aus demSolling a. d.Jffieser); trotz ihres primitiven Aussehens haben sich dieseApparate in der Praxis sehr wohl bewährt.
Die Dephlegmirung der aus dem Pistorius’schen Apparatentweichenden Alkoholdämpfe geschah bisher durch grössere, mitWasserkühlung versehene, linsenförmige Becken; bei den neuerenDestillationsapparaten strebt man danach, compendiösere Apparate andie Stelle der Becken zu setzen.