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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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234 Gruppe III. Chemische Industrie.

erseheinungen dennoch nicht in Uehereinstimmung mit denjenigen an-derer Pflanzen vollziehen. Denn während hei reichlicher Gegenwartvon Sauerstoff von den bisher auf ihren Gaswechsel untersuchten Pflan-zen für 1 Vol. aufgenommenen Sauerstoffs 1 Vol. Kohlensäure aus-geathmet wurde, betrug das Volumen der ausgeathmeten Kohlensäurebeim Hefepilz wenigstens das Siebenfache vom aufgenommenen Sauer-stoff, d. h. es war trotz des Sauerstoffzutritts Gährung eingetreten.

Mit Hecht darf man nach den vorstehenden Resultaten von B r e -f e 1 d den exacteren Nachweis, als derselbe bisher geführt ist, verlangen,dass Gährung durch den Hefepilz nur erregt wird, wenn es an Sauer-stoff fehlt und 'Wachsthum der Hefe jede Gährung ausschliesst.

Moritz Traubes Untersuchungen enthalten gleichfalls einigeArgumente gegen Brefelds Theorie neben einigen anderen so inter-essanten Beobachtungen auf dem Gebiet der Gährungschemie, welcheübrigens nicht sämmtlich in directem Widerspruch gegen Brefeldstehen, dass über dieselben etwas ausführlicher referirt werden muss.

Traube zieht zunächst einen Unterschied zwischen Hefe undHefe keimen 1 ) und giebt nach Versuchen, welche er selbst ausgeführthat, welche allerdings nur eine Bestätigung des bekannten Gay-Lus-sacsehen Versuches darstellen, zu, dass zur Entwickelung vonHefekeimen, d. h. zur Entwickelung der Hefe durch spontaneGährung, Zutritt von Sauerstoff nothwendig sei; Traubeschliesst dieses daraus, dass in dem Saft von Trauben und Apfelsinen,welcher bei völligem Sauerstoffabschluss ausgepresst war, ohne dassjedoch Sorge getragen .wurde, die Hefekeime (sit venia verbo), welche beiungehindertem Luftzutritt stets spontane Gährung erregten, auszu-schliessen, niemals Gährung eintrat.

Dagegen behauptet Traube, dass zur Vermehrungvon bereits entwickelter Hefe Sauerstoff nicht unbe-dingt nothwendig sei. Es vermehrte sich z. B. Hefe, welche inNährflüssigkeit (Zucker und Hefeabsud) bei angeblich vollkommenemLuftabschluss (durch Versenken unter Oel) ausgesäet wurde, um das64fache und brachte 392 p. C. des ihr dargebotenen Zuckers zur Ver-gährung.

Allerdings war die Vermehrung der Hefe ungleich grösser; dasSOfache der Aussaat, als auf dem Wege der Diffusion geringe Mengenvon Luft der Gährmischung zugeführt wurden, und sie betrug das184fache der Aussaat, als die Luft nicht abgeschlossen wurde (nebeneiner Vergährung von 472 resp. 933 p. C. des Zuckers), so dass dieNützlichkeit des Sauerstoffs für das Wachsthum der Hefevon Traube nicht bestritten wird 2 ).

J ) Brefeld in einer Erwiderung (Ber. cliem. Ges. VII, 1067) bestreitet,dass ein Unterschied zwischen Hefe und Hefekeimen existire; Traube,ibid. 1757 hält diese Behauptung aufrecht. 2 ) Von Gegnern der Traubeschen