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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Spiritusfabrikation. 235

Auch als Indigoschwefelsäure und Soda, eine Mischung, welchesich bekanntlich, mit Invertzucker erwärmt, entfärbt und durch diegeringsten Spuren freien Sauerstoffs wieder blau färbt, der Nährmischungzugesetzt und hierdurch die vollkommene Abwesenheit von Sauerstoffwährend des ganzen Verlaufs der G-ährung dargethan wurde, fand eineVermehrung der Hefeaussaat und eine (allerdings nicht sehr bedeutende)Gährung statt. Als dagegen eine Hefeaussaat in einer Zuckerlösungohne Zusatz von Nährstoffen der Hefe, gleichfalls bei Sauerstoffausschlussdurch Indigoschwefelsäure und Soda, vollzogen wurde, trat keine Ver-mehrung der Hefe, wohl aber Gährung ein.

Traube schliesst aus obigen Versuchen, und in diesem Punkt,stimmt er mit Brefeld (resp. Liebig!) vollkommen überein, „dieHefe, auch wenn sie sich nicht vermehrt, bewirkt Gäh-rung, und beide Processe stehen in keinem ursächlichenZusammenhänge.“ Dagegen folgert Traube im WiderspruchzuBrefeld’s Resultaten, dass entwickelte Hefe, auch ohneZutritt von freiem Sauerstoff, Eiweissstoffe aus einerNährlösung zu ihrer Vermehrung verwenden kann, wäh-rend eine solche Vermehrung ohne Eiweissstoffe selbst-verständleh ausgeschlossen ist.

Von den Traube'sehen Versuchen führten ferner diejenigen,welche mit Selbstgährung von Früchten ohne Mitwirkung der Hefe insauerstofffreier Atmosphäre ausgeführt wurden, zu interessanten Re-sultaten.

Wenn ganze Früchte, z.B. unverletzte Weintrauben oder Apfel-sinen, bei vollkommenem Sauerstoffausschluss, etwa über Quecksilber, sichselbst überlassen werden, so tritt eine Gährung unter Kohlensäure-entwickelung und Alkoholbildung ohne Hefe ein. (Wiederholung derVersuche von Döbereiner, Döpping und Struve, Pasteur.)

Ansicht könnte gegen die obigen Versuche liervorgelioben werden: l) ob diebeobachtete Ausscheidung aus der Nährflüssigkeit wirklich nur aus orga-nisirter Hefe, oder vielleicht zum Theil aus coagulirten Eiweissstoffen bestandenhabe; 2) dass bei dem Versuche (Nro. 3) Traube’s (der Apparat wurde unterOel versenkt), der Sauerstoffabschlus nicht ausreichend gewesen sei, da beidem Versuche 6 (Nährlösung und Indigo), wo die Abwesenheit von Luft alserwiesen, angenommen werden kann, eine viel weniger intensive Gährung ein-trat; die Hefe vergohr bei Versuch 3 das 1120fache, bei Versuch 6 nur das200fache ihres Gewichtes an Zucker; 3) dass bei dem Versuche 6 (Nähr-lösung und Indigo) die Gewichtszunahme der Hefeaussaat nicht constatirtist; es darf diese Unterlassung Traube’s mit Hecht auffallend genannt wer-den, da Traube gerade für diesen Versuch eine besondere Beweiskraft inAnspruch nimmt. 4) Nach Brefeld’s Behauptungen gebraucht die Hefenur minimale Mengen von Sauerstoff zur 'Vermehrung, können dieselbenbei den Traube’schen Versuchen nicht durch die Hefeaussaat zugeführtsein?