Spiritusfabrikation. 233
sind“ — so lautet das Hauptresultat, welches man aus Liebig’s wieBrefeld’s Untersuchungen zu folgern hat.
Schreiber dieser Zeilen erachtet es für seine Ehrenpflicht, hieraufnachdrücklichst hinzuweisen, da von vielen Seiten Liebig die gebüh-rende Anerkennung auf diesem Gebiet versagt wird, und in den Bre-feld’schen Arbeiten selbst die Uebereinstimmung mit Liebig in demoben angeführten wichtigsten Punkt nicht genügend betont wird; es willihm fast wie ein hartnäckiges Yerschliessen der besseren Ein-sicht erscheinen, wenn man von manchen Seiten nicht zugeben will,dass Liebig auf dem Gebiet der Gährungserscheinungen kla-rer gesehen hat wie die grosse Mehrzahl derjenigen, welchesich mit Erforschung der Gährungserscheinungen beschäf-tigt haben.
Dass die Untersuchungen Brefeld’s Veranlassung zum Auftretenzahlreicher Widersprüche geworden sind und dass letztere zum Theilauch nicht ohne Berechtigung sind, ist in dem Referat über die Bre-feld’sehen Arbeiten bereits mehrfach angedeutet.
Die gewichtigsten Ein würfe *) rühren von A. Mayer und MoritzTraube her.
A. Mayer 2 ), welcher übrigens das wesentlichste Resultat derBrefeld’schen Arbeit, Trennung des Wachsthums des Hefepilzes vonder Gährungserregung, obwohl es im Widerspruche mit dem Resul-tate seiner eigenen früheren Untersuchungen steht, freimüthigst accep-tirt, wendet sich gegen den von Brefeld aufgestellten Satz, dassWachsthum und Gährungserregung beim Hefepilz zwei leicht von ein-ander zu trennende Erscheinungen seien und dass Gährung erst dannvom Hefepilz erregt würde, wenn es demselben an Sauerstoff gebräche;derselbe veröffentlicht das Resultat von Versuchen, bei denen, trotzdemein starker Strom von Sauerstoff oder Luft continuirlich durch dieGährungsflüssigkeit geleitet wurde, dennoch neben einer kräftigen Spros-sung der Hefe reichliche Mengen von Alkohol gebildet wurden. Es isthiernach die Vermuthung nicht ausgeschlossen, dass durch Hefe unterUmständen Gährung erregt werden kann, auch wenn in dem Gährungs-medium Sauerstoff vorhanden ist, und es wäre zwischen den vonBrefeld präcisirten Endstadien — Wachsthum und Gäh-rung — ein breites Mittelstadium einzuschalten, in welchemdie Hefe wachsen wie auch Alkohol erzeugen könne.
Weitere Versuche von A. Mayer zeigten ferner, dass sich, auchwenn man der Hefe in möglichst grosser Oberfläche, z. B. in einer dün-nen Schicht auf Filtrirpapier, Sauerstoff darbietet, die Stoffwechsel-
B Von sonstiger hierhergehöriger Literatur mag nur citirt werden:Moritz, Ber. ohem. Ges. VII, 156, 434; Mohr, ibid. 1421; Schumann,ibid. VIII, 44; Struve, ibid. VII, 1327. 2 ) Mayer, Ber. chem. Ges.
VII, 379.