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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Br e feld fühlt diese Lücke in seiner Arbeit sehr wohl heraus und wid-met derselben ausführliche Erörterungen, welche ungefähr darauf hinaus-kommen, dass allerdings, so lange disponibler Sauerstoff in der ganzenFlüssigkeit vorhanden sei, der grösste Theil der Vermehrung der Hefeeintreten müsse, dass aber eine weitere langsamere Vermehrung nebengleichzeitiger Gährung durchaus nicht ausgeschlossen werden könne,da die Hefe an den Stellen der Flüssigkeit, wo der Sauerstoff aufgezehrtsei, aufhöre zu wachsen und dafür Gährung errege, an der Oberflächeder Flüssigkeit jedoch , wo die Luft ungehindert zutreten könne, nachMaassgabe der Sauerstoffzufuhr fortfahre zu wachsen. Anfangs findenur Wachsthum statt, mit dem Ausgehen des Sauerstoffs trete Gährungein, und Wachsthum finde nur mehr an der Oberfläche in unbedeu-tendem Grade statt, wo eben neuer Sauerstoff hingelange. Brefeldweist es sogar nicht vollständig von der Hand, dass in derselbenZelle beide Vorgänge möglicherweise zu Zeiten neben einander ver-laufen könnten.

In einer neueren Arbeit 1 ) hat Brefeld seine Beobachtungen überdie Alkoholgährung erweitert, indem er specieller die durch Mucorartenerregte Gährung studirte; aus der Arbeit mag nur hervorgehoben wer-den, dass die vergährende Kraft sich bei Mucor racemosus am grösstenerwies und dass dieselbe von da ab nach den höchsten, verzweigtenFormen zu stetig abnahm, aber auch schon beim Mucor racemosuswar dieselbe erheblich geringer als bei der gewöhnlichen Hefe (cfr. hierzudie Untersuchung von Fitz S. 225). Ob es ein glücklicher Gedankegenannt zu werden verdient, wenn Brefeld in derselben Arbeit dieGährung als eine Anpassungserscheinung bezeichnet, welche vonden Pilzen, die zu ihrem Wachsthum auf den Sauerstoff der Luft an-gewiesen sind, ausgeübt werde, um aus der Flüssigkeit, in welcher sieaus Mangel an Sauerstoff nicht wachsen können, durch den Auftriebder sich entwickelnden Kohlensäure an die Oberfläche gehoben zu wer-den, muss dahingestellt bleiben, wenngleich eine solche Erklärung alsäusserste Consequenz der Theorie der Anpassungserscheinungen selbst-verständlich nicht vollkommen von der Hand zu weisen ist, jedenfallsist für die näherliegende Ursache der Gährung durch obige Erklärungauch nicht das Geringste gewonnen.

Jedoch sei dem, wie ihm wolle, bestätigen sich die Resultate derBrefeldschen Untersuchungen, so liegt in denselben ein einfachesZurückgehen auf die Anschauung, welche J. von Liebig in seinerUntersuchungUeber Gährung und Quelle der Muskelkraftausgesprochen hat:Wachsthum des Hefepilzes und Erregung von

Gährung sind zwei Vorgänge, welche streng von einander zu halten

*) Verhandlungen der Wiirzb. medicin. physikal. Gesellsch. N. P. VIII,1874 ,