Spiritusfabrikation. 217
durch Wasser aus der Hefe nicht extrahirt werden könne, nothwendigin Form einer festen Verbindung mit einem anderen Körper in derZelle enthalten sein müsse, welcher reich an Stickstoff und schwefel-haltig sei 1 2 ).
Eine andere Beobachtung Pasteur’s steht in engster Beziehungzu den neuesten Fortschritten auf dem Gebiete der Gährungschemie(Brefeld u. A.). Die Hefe zeigt nämlich bei unbeschränktem Luft-zutritt und bei Luftabschluss (oder wenigstens gehindertem Luftzutritt)eine sehr verschiedene Vegetation.
Wenn man eine Zuckerlösung in sehr flacher Schicht mit Hefe ver-setzt, so tritt eine sehr träge Gährung ein, und es kann ein GewichtstheilHefe nur sechs bis acht Gewichtstheile Zucker zersetzen, aber die Hefenimmt hierbei an Gewicht bedeutend zu und vermehrt sich in gross-artigem Maasse. Wenn man nun andererseits Hefe bei unvollkomme-nem Luftzutritt in hoher Schicht mit einer gleichen Zuckerlösung ver-mischt, so wächst die Hefe nur träge und vermehrt sich wenig, abersie ist im Stande, ungefähr das lOOfache ihres Gewichtes an Zucker inAlkohol und Kohlensäure zu zersetzen..
Es kann hiernach kein Zweifel bestehen, dass die Lebensvorgängeder Hefe sich bei Abschluss von Luft wirklich in einer anderen Rich-tung vollziehen, als bei Luftzutritt, dass letzterer die Hefe zu einemmächtigen Wachsthum, ersterer dieselbe zur energischen Vollziehungder Zuckerspaltung anregt. Die hiernach naheliegende Schlussfolge-rung, dass Wachsthum der Hefe und Erregung von Alkoholgährungzweierlei seien, ist von Pasteur jedoch nicht gezogen, dagegen bildetdieselbe die Grundlage der neueren Liebig’schen Gährungstheorieund der Ansichten von Brefeld.
Pasteur suchte später die eben besprochene Erscheinung in Ein-klang mit seiner vitalen Gährungstheorie zu bringen, nach welcher dieGährung immer als eine Folge des Lebens und des Wachsthums derHefezellen aufzufassen ist, nach welcher Wachsthum und Gährungstets Hand in Hand gehen müssen, nicht aber zwei gesonderte Vor-gänge darstellen.
Anknüpfend an die Beobachtung, dass Hefe bei Luftzutritt leb-haft wachse, bei Luftabschluss alkoholische Gährung errege, versuchtePasteur 3 ), ob nicht auch andere niedere Pflanzen, welche zu ihremWachsthume Sauerstoff gebrauchten, alkoholische Gährung erregten,wenn man dieselben in Berührung mit Zuckerlösung vom Sauerstoffabgeschlossen hielte. Das Resultat war ein positives.
So erzeugt der Verwesungspilz des Weines (Mycoderma vini),
J ) Für cliese letztere Annahme liegt allerdings, obgleich die Möglichkeitnicht zu bestreiten ist, ein ausreichender experimenteller Anhalt nicht vor.
2 ) Pasteur, Compt. rend. 1872, LXXIY, 212 (Sur lanature et l’origine des
ferments).