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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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218 Gruppe III. Chemische Industrie.

der als Kahm die weissen Häute auf der Oberfläche alkoholischer Flüs-sigkeiten bildet, sofort ohne Weiteres alkoholische Gährung, wenn der-selbe durch Untertauchen von dem Sauerstoff der Luft abgeschlossenwird. Dasselbe Verhalten wird von Pasteur für den gemeinen Schim-melpilz behauptet, welcher gleichfalls durch Untertauchen zu einemErreger der alkoholischen Gährung werde. Allerdings ist Reess(s. w. u.) bei Culturen mit dem gemeinen Schimmelpilze zu widerspre-chenden Resultaten gekommen, hat degegen die Beobachtungen Pa-steurs auf Mucor Mucedo und Mucor racemosus ausgedehnt.Aber noch weit mehr: Pflaumen, welche in reifem Zustande vomBaume genommen wurden, bildeten Alkohol, sobald dieselben durchAufbewahren in einer Kohlensäureatmosphäre von der Luft abge-schlossen gehalten wurden; und ebenso verhielten sich andere Früchteund selbst grüne Blätter, während niemals eine Spur von Alkohol sichaus denselben Objecten bildete, wenn die Luft ungehindert zu denselbenzutreten konnte.

Pasteur erklärt hiernach die alkoholische Gährung nicht mehrfür eine specifische Function des Hefepilzes, sondern für die Folge derallgemeinen Lehensthätigkeit einer jeden Zelle 1 ). Zur Vollziehungihrer physiologischen Functionen gebrauche eine jede Zelle ein gewis-ses Maass von Kraft und erzeuge dieselbe, so lange sie sich in einersauerstoffhaltigen Atmosphäre befinde, durch eine wirkliche Verbren-nung von organischen Substanzen unter dem Einflüsse und unter Auf-nahme von freiem Sauerstoff aus der Umgebung. Wenn nun die Zelle, vonfreiem Sauerstoff abgeschlossen, die zu ihren Lehensfunctionen noth-wendige Kraft nicht mehr von aussen beziehen könne, so erzeuge siedieselbe durch einen Spaltungsvorgang im Inneren, wie ein solcherdie Zersetzung von Zucker in Alkohol und Kohlensäure sei. Dassdabei chemische Spannkräfte wirklich in Freiheit gesetzt werden, istnicht zu bezweifeln, denn dasselbe kann sowohl an dem Auftreten vonWärme bei der Gährung, wie auch daran, dass der Zucker eine grös-sere Verbrennungswärme als die aus demselben entstehenden Gährungs-produete besitzt, erkannt werden.

Damit giebt Pasteur bereits zu, dass unter Umständen die Ent-wickelung des Hefepilzes ohne Alkoholgährung verlaufen könne, aberer hält daran fest, dass trotzdem die Alkoholgährung eine Folge derOrganisation der Hefe oder, jetzt allgemeiner ausgedrückt, einer jedenlebenden Zelle, unter abnormen Lebensbedingungen sei.

Wie leicht hieraus ein Uebergang zu den neuesten Ansichten überdie Gährung abzuleiten ist, wird weiter unten gezeigt werden. Zu-

*) In Deutschland hatte bereits 1871 (Landw. Versuchs-Station XIV, r >2) A. Mayer darauf hingewiesen, dass sich die Gährung als ein Vorganginnerer Verbrennung darstellen lasse.