Rübenzuckerfabrikation.
207
Um den Zucker aus der möglichst gereinigten Lösung (Dicksaft,Klärsei) zu erhalten, muss er hauptsächlich vom Wasser getrennt wer-den : man muss die Lösung bis zum Krystallisationspunkte verdampfen.Diese Wasserentziehung geschieht in zwei Perioden, die als Verdampfenund Verkochen unterschieden werden. Zu erster er dienen die Verdampf-apparate, es geht derselben eine Filtration vorher, es folgt eine zweitedarauf; die zweite Wasserentziehung geschieht im Vacuum, sie liefertdas krystallisirende Product, die Füllmasse.
Je nach dem Ziel der Fabrikation sind dreierlei Arten derselbenzu unterscheiden:
1. Die Rohzuckerarbeit, deren Ziel nur die Herstellung eines Mittel-productes oder Halbfabrikates, des Rohzuckers, ist;
2. die Raffineriearbeit, welche aus diesem Rohzucker einen reinenzum Verbrauche geeigneten Zucker in Form von Broden, Stücken odereinzelnen Krystallen darstellt, und
3. die Melisarbeit, welche diese beiden Arbeiten in eine vereinigtund direct, ohne erst Rohzucker als Handelswaare zu erzeugen, Ver-brauchszucker in Broden, Stücken oder Krystallen darstellt.
Die Fabrikation des Rohzuckers bildet natürlich überall die Haupt-arbeit, sie ist auch ein Theil der Melisfabrikation, wenn auch der Roh-zucker sofort wieder weiter verarbeitet wird. In Frankreich, Russland,Belgien und Oesterreich wird fast aller Saft auf Rohzucker als Handels-waare verarbeitet und die Raffinerie bildet eine ganz davon getrennteFabrikation. In Deutschland dagegen hat die Melisfabrikation eineweitaus grössere Bedeutung erlangt; sie liefert zwar ein weniger schö-nes aber ökonomisch vortheilhafteres Product.
Im Ganzen bedienen sich aber alle Arbeitsweisen der gleichen Mit-tel zur Erreichung des gesteckten Zieles und wir können diese alsohier in gemeinsamer Uebersicht behandeln.
Zum Verdampfen wie zum Verkochen wendet man allgemein ge-schlossene Apparate und eine durch Pumpen und Wassereinspritzungerzeugte Luftverdünnung an. Die offenen Pfannen sind fast aus allenFabriken verschwunden und finden sich jedenfalls nur in solchen, welchenoch eine alte Einrichtung beibehalten haben. Die Verdampfapparate,welche man als Robert’sehe oder Tischbein’sehe bezeichnet, wur-den bekanntlich 1850 durch Tischbein in Europa eingeführt undfanden sehr schnell Eingang in den Fabriken. Sie sind im Laufe derZeit mannigfach abgeändert worden, aber das Princip ist unverändertgeblieben. Sie bestanden ursprünglich aus drei geschlossenen Körpern,man begnügte sich später und jetzt vielfach mit zweien und baut diesejetzt in Deutschland häufiger liegend als stehend. Auch der Vacuum-apparat, worin alle Producte, welcher Art sie auch seien, zu Füllmassefertig gekocht werden, hat einzelne Verbesserungen erfahren.