208 Gruppe III. Chemische Industrie.
Man kann im Yacunmapparat die verschiedenen reinen Klärsei inzweierlei Art fertig kochen: entweder dampft man sie nur einfach zuderjenigen Concentration ein, bei welcher nachher hei ruhiger Erkal-tung die Krystallisation erfolgt, oder man bewirkt diese schon im Ap-parat selbst und entleert aus demselben eine bereits krystallisirte,breiig-flüssige Masse. Letztere Art zu kochen, das Kochen auf Korn,welche für Brod- und Verbrauchszucker ausschliesslich Anwendungfindet, ist in der neueren Zeit mehr und mehr auch auf Rohzucker aus-gedehnt worden und liefert die schönen reinen Korn- und Krystall-zucker, eine früher nicht gekannte Waare.
Als Zusatz zu den Klärsein vor dem Kochen oder während des-selben sind hier die mineralischen Säuren zu nennen, welche oftmalsversucht und auch stellenweise im grossen Betriebe angewendet wordensind. Diese Zusätze geschehen, um die starke Alkalinität der Zucker-lösungen vor dem Verkochen zu beseitigen, sowie auch auf Grund vonUntersuchungen, die der Verfasser 1 ) über die melassebildende Kraftder nichtkrystallisirenden Nichtzuckerstoffe angestellt hat, die man hier-bei in krystallisirbare Salze verwandelt, die nicht mehr als Melasseerzeugend wirken.
Die schweflige Säure ist schon früher und neuerdings von Mon-nier 2 ) empfohlen worden. Seyferth 3 ) hat sie dann in anderer Weisein das Kochen der Klärsei einzuführen empfohlen; das Verfahren hataber die davon erwarteten Erfolge nicht gezeigt. In letzterer Zeit hatdann Margueritte die Salzsäure oder Schwefelsäure angewendet inder Absicht, die organischen Säuren während des Kochens auszutreibenund an Stelle ihrer unkrystallisirbaren die krystallisirbaren Salze derzugesetzten Säuren zu bringen 4 ). Feltz 5 ) hat nachgewiesen, dass aller-dings bei der niedrigen Temperatur, welche während des Verkochensim stark luftverdünnten Raume herrscht, die Inversion des Zuckers beidiesem Verfahren eine unbedeutende ist. Wird aus der gekochtenMasse Rohzucker erzeugt, so wird dieselbe meistens und bei den ge-ringeren Nachproducten immer in grössere Formen gefüllt und nacheiniger Zeit durch Ausschleudern in Zucker und Syrup getrennt. Umdie Construction der dazu dienenden Maschinen (Schleudertrommeln,Centrifugen und Maischmaschinen) hat sich Fes ca grosses Verdiensterworben, indem er dieselben wesentlich zweckmässiger, dauerhafterund sicherer herstellte als bisher.
Behufs vollständige!; Entfernung des den Zuclcerkrystallen anhaf-tenden Syrups wird reiner Syrup, Wasser oder Dampf in die Centrifugegegeben, welche den Zucker durchdringen und reinigen. In neuerer
*) Scheibler, Zeitschr. 1869, 343. 2 ) Monnier, Journ. des fabric.
de Sucre IX, Nr. 17. 3) Seyferth, Zeitsclir. 1870, 235. 4 ) Margue-ritte, Zeitschr. 1873, 915. r ') Feltz, Zeitschr. 1873, 917.