Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

206 Gruppe III. Chemische Industrie.

Zum Waschen wendet man in den meisten Fabriken die Kluse-mannsche Maschine an, welche die übrigen Wäschen mehr und mehrverdrängt hat. Zum Waschen der Kohle ist der aus den Verdampf-apparaten stammende ohne Wasserzusatz condensirte Saftdampf, dassogenannte Brüdenwasser, zuerst von Stammer 1 ) empfohlen und an-gewendet worden. Eissfeld 2 ) hat dann diese Anwendung'wesentlichdahin vervollkommnet, dass er der eigentlichen Wäsche ein Auskochenmit diesem ammoniakhaltigen Wasser folgen liess und dazu einen eige-nen, jetzt viel verbreiteten Apparat construirte.

Mehrfach ist auch die Behandlung der Knochenkohle mit Soda-lauge, welche man schon früher zum Entgypsen anwendete, als haupt-sächlichstes Wiederbelebungsmittel benutzt worden. Wenngleich sienoch vielfach als Hilfsmittel gebraucht wird, hat doch eine weiter aus-gedehnte Verwerthung derselben nicht stattgefunden.

Zum Glühen der gewaschenen, gedämpften und möglichst trocknenKohle findet man in deutschen Fabriken am meisten den in mehrfacherWeise verbesserten Schattenschen Ofen in Gebrauch. Der Haupt-fehler desselben, der mangelhafte Abzug der Glühproducte, hat einedurchgreifende Abhilfe noch nicht gefunden. Dagegen hat man sichmit Erfolg bestrebt, die Entleerung der geglühten und wieder abge-kühlten Kohle zu einer ununterbrochenen, vom Willen der Arbeiterunabhängigen zu machen und einem Mechanismus zu übertragen. Nurzwei solcher Einrichtungen sind durch vielfache Ausführung in diegrosse Praxis übergegangen: in Deutschland die mechanische Entlee-rung der Kühlröhren von Langen und in Frankreich und Belgien derOfen von Ruelle. Ausserdem werden in einigen englischen Fabrikenmechanische oder ßetortenglühöfen benutzt.

Der Langensche Ofen 3 ) entspricht von allen dem Zwecke ambesten, indem er ohne Beihilfe die Knochenkohle in fast ununterbroche-ner Weise und mit geringer regulirbarer Geschwindigkeit auslaufen lässt.

Seiner grossen Beliebtheit und in mancher Beziehung sehr ratio-nellen Construction wegen ist hier noch der in französischen Fabrikenviel gebrauchte Ofen vonBlaize 4 ) zu nennen, welcher jedoch nicht mitselbstthätiger Entleerung versehen ist.

Nach diesen Andeutungen über die Fortschritte, welche Anwen-dung und Wiederbelebung der Knochenkohle erfahren haben, gehenwir zu dem letzten Theil der Arbeiten über, welchen der gereinigteRübensaft unterworfen wird, nämlich dem Kochen und der Fertigstellungdes Endproductes.

4 ) Stammer, Zeitschr. 1864, 634. 2 ) Eissfeld, Zeitschr. 1870, 663;

Dingl pol. J. CCVI, 405; lieber das Verfahren berichtete auch Boden-bender, Zeitschr. 1872, 233. s ) Dingl. pol. J. CLXXXII, 459 (mit Ab-bildungen). 4 ) Blaize, Zeitschr. 1864, 719.