Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

Rübenzucker fabrikation.

185

henden Felddüngungs- und Ackerbauversuche, und zwar sowohl die inkleinerem als auch in grösstem Maassstabe ausgeführten, im Allgemei-nen nur unverwerthbare Resultate geliefert, was nicht befremden kann,weil die Einflüsse derjenigen Factoren, welche man bei diesen Versu-chen nicht beherrscht nämlich Klima, Witterung, Menge und Ver-theilung der atmosphärischen Niederschläge etc., bei weitem mäch-tiger sind, als die geringen Abänderungen, welche man innerhalb derpraktisch gesteckten Grenzen an der Düngung vorzunehmen im Standeist. Das eben Gesagte wird durch die neuesten mühevollen und aus-gedehnten Versuche Hanamanns 1 ) in der bestimmtesten und klarstenWeise bestätigt.

Mit fortschreitender Ausbreitung des Rübenbaues hat man vielfachdie Vermehrung von den Rüben schädlichen Insecten wahrgenommen;diese sind unter Umständen in verheerender Weise aufgetreten. Kei-nes der dagegen angewandten künstlichen Mittel hat einen durchgrei-fenden Erfolg erzielen lassen und es ist nur immer wieder auf denSchutz und die Hegung von insectenfressenden Vögeln hinzuweisen.Ausserdem zeigen sich oft an den Blättern und der Wurzel der Rübeverschiedene Schmarotzer, pflanzlicher sowohl als thierischer Herkunft,welche die Rübenernten bald mehr oder weniger schädigen. Zu dengefährlichsten pflanzlichen Parasiten zählen hauptsächlich Pilze (üro-myces betae, Tulasne, Peronospora betae, Schacht > Mhyzoctonia violacea,Tut., Helminthosporium rhyzoctonon, Depacea betaecola, De Ccmdolle etc.),während der gefürchtetste thierische Feind der Rübenwurzel, dieRü-bennematode, ein zur Classe der Fadenwürmer zählender Parasitvon mikroskopischer Kleinheit ist, dessen trächtige Weibchen als milch-weisse, den Sandkörnern ähnliche Körperchen den Wnrzelfasern derRüben dicht ansitzen. Sie wurden im Jahre 1859 von Schacht ent-deckt und sind seitdem auch an den Helferwurzeln beobachtet worden.Vielfache wissenschaftliche Forschungen haben die Lebensbedingungenund Erscheinungen dieser Schmarotzer festgestellt und mancherlei Re-geln für den Rübenbau sind aus diesen Untersuchungen hervorgegan-gen, doch müssen wir uns darauf beschränken, hier nur auf die wich-tigsten dieser Arbeiten hinzuweisen 2 ).

Mehr als für jede andere Industrie ist für die Rübenzuckerfabrikationdie Kenntniss der näheren Beschaffenheit und Zusammensetzung desRohmaterials von der grössten Wichtigkeit. Bei dem in Deutschland

^Hanamann, Centralbl. f. Agriculturchemie III, 21; Zeitschrift 1874, 742.

2 ) Schacht, Zeitschrift 1859, 175, 239 und 375; 1861, 136 und 1862', 114.Kühn, Zeitschrift des Landw. Centralvereins der Provinz Sachsen 1869,No. 2, 1870, No. 12; Zeitschrift 1869, 370 und 1871, 20 und 50. Annalen derLandw. 1873, 575; auch Zeitschrift 1873, 818, Landw. Jahrbücher III, 47;auch Zeitschrift 1874, 149. Schmidt, Zeitschrift 1871, 1. Eiliesen, J.Landw. XXII, 397 und XXIII 230; auch Zeitschrift 1875, 99 und 843.