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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Hand in Hand mit diesen Bestrebungen gehen die Forschungenüber zweckmässigste Düngung und Bodenbearbeitung, welche einensehr erheblichen Einfluss auf die Ernteresultate ausüben. Ist es auchnoch nicht gelungen, in dieser Beziehung allgemein gültige Gesetzeaufzustellen, so ist doch an der Erweiterung unserer Kenntnisse soviel und von so Vielen gearbeitet worden, dass dadurch eine immerklarere Erkenntniss der Vorgänge und Einflüsse angebahnt wurde.Die Bemühungen, durch Cultur der Rüben in künstlichen Nährflüssig-keiten die Lebensbedingungen dieser Pflanze in ähnlicher Weise zuerforschen, wie dies bei anderen gelungen ist, haben zu erfolgreichenResultaten noch nicht geführt, weil diese Cultur ganz aussergewöhn-liche Schwierigkeiten bietet. Indem wir es uns leider versagen müssen,dieses umfangreiche Thema erschöpfend zu behandeln, wollen wir nurerwähnen, dass die Nothwendigkeit der Zufuhr der bekannten Pflan-zennährstoffe zwar, wie nicht anders zu erwarten, aus allen Unter-suchungen hervorgeht, dass aber die Form, in welcher die Zufuhr zuleisten, und die Art, wie diese Zufuhr bei der grossen Cultur zu be-wirken ist, noch nicht endgültig hat festgestellt werden können.

Das Kali steht als Düngemittel für Zuckerrüben begreiflich obenan,da diese Planze dein Boden erhebliche Mengen des genannten Alkalisentnimmt, welches meist in der Form von Melasse oder Schlempekohleverwerthet wird, statt dem Acker zurückgegeben zu werden. Das demBoden Entnommene muss daher aus anderen Quellen Ersatz finden undes durfte die Entdeckung der Stassfurter Kalisalzlager, welche diesen Er-satz in billiger Weise ermöglichen, um so mehr als ein glückliches Er-eigniss für den Zuckerrübenbau bezeichnet werden, als die von Liebigmit prophetischem Blick vorausgesehenenErscheinungen derBodenausraubung sich bereits hier und dort in bedenklicherWeisezu zeigen anfingen. Dr. A. Frank in Stassfurt hat das Verdienst,zuerst auf die Stassfurter Hilfsquellen aufmerksam gemacht und dieNothwendigkeit des Kali-Ersatzes beim Rübenbau in Erinnerung gebrachtzu haben; wir verweisen in dieser Beziehung auf dessen Aufsatz überKalidüngmittel (vergl. I. S. 384 dieses Berichtes).

Ausser den Bestrebungen Franks, welche auf eine zweckmässigeAnwendung der Kalidüngung gerichtet waren, sind hier als besonders her-vorragend noch die Vegetationsversuche vonLiebig, Nägeli undZöl-ler, worüber letzterer berichtete 1 ), sowie die von Stohmann 3 ) und dievon Kohlrausch und Petermann 3 ) zu nennen, welche alle die Er-kenntniss des Einflusses verschiedener Düngemittel, namentlich derkalihaltigen beim Rübenbau, wesentlich gefördert haben. Dagegenhaben die zahlreichen, vor einigen Jahren noch in grosser Gunst ste-

J ) Zoller, Journ. f. Landwirthsch. 1866, 80 und 469; Zeitschrift 1866,503; 1867, 229. 2 ) Stohmann, Zeitschrift 1869, 273. 3 ) Kolilrauscli

u. Petermann, Oekon. Fortschr. 1870, No. 37 bis 40; Zeitschrift 1872, 371.