Druckschrift 
3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

Gruppe III. Chemische Industrie.

Wenn man eine Lösung von Stärkemehl in Kalilauge der Dialyseunterwirft, so verliert sie nach A. Müller 1 ) schnell das Alkali und esbleibt eine dünne Lösung, welche weder durch Kochen noch durchSäuren, wohl aber durch Weingeist gefällt wird. Durch Jodlösungwird sie ohne Trübung blau gefärbt; verdunstet man die Lösung zurTrockne, so ist der Rückstand wieder in Wasser unlöslich.

Ueber die Verbindungen von Stärke mit Kali und Natron hatTollens 2 ) Untersuchungen an gestellt in der Hoffnung Aufklärungüber die Moleculargrösse der Stärke zu bekommen. Die aus Stärkemit den Alkalien entstehenden, mit Alkohol und Aether gefällten undgewaschenen Verbindungen enthielten auf 1 Atom Kalium und Natrium4 oder 5 Molecule Stärke, was auf Formeln mit 24 oder 30 AtomenKohlenstoff deutet, worüber weitere Untersuchungen noch näher ent-scheiden sollen.

Stärkemehl quillt nach Payen 3 ) in den gesättigten Lösungen vonBrom- oder Jodkalium zu dem 25- bis 30fachen Volum einer kleister-artigen Masse auf, welche sich dann bis auf die Membrane in Wasserlöst; aus dieser Lösung fällt Jodwasser flockige Jodstärke.

Schützenberger und Naudin 4 ) haben in einer Arbeit überdie Acetylderivate der Kohlenhydrate auch diejenigen des Stärkemehlsbeschrieben. Triaeetylstärkemehl, Cg II 7 (C 3 II 3 0)3 O 5 , wird als weisser,amorpher, in Wasser, Alkohol, Aether und Essigsäure unlöslicher Kör-per erhalten, wenn man Stärkemehl mit einem Ueberschuss von Essig-säureanhydrid auf 140° G. erhitzt. Erhitzt man dagegen auf 160° C.,so entsteht Triacetyldextrin, von derselben Formel und gleichen Eigen-schaften, jedoch löslich in Essigsäure. Es kann auch direct aus Dex-trin erhalten werden.

In Betreff der Einwirkung der Diastase des Malzes oder der ver-dünnten Schwefelsäure auf Stärke und Dextrin liegen zahlreiche, viel-fach sich widersprechende, theils ältere, theils neuere Arbeiten vor, aufdie hier nur hingewiesen werden kann; es sind die von Muse ul us 5 ),Payen 6 ), Philipp 7 ), Reischauer 8 ), Schwarzer 9 ), Lie-

x ) Müller, Journ. f. pr. Chem. GUI, 49; Zeitschr. f. Chem. 1868, 530;

Chem. Centralbl. 1868, 1055. 2 ) Tollens, Ber. chem. Ges. 1873, 1390.

3 ) Payen, Compt. rend. LXI, 512; Zeitsclir. f. Chem. 1865, 736; Chem.

Centralbl. 1865, 1014. 4 ) Schützenberger und Naudin, Ber. chem.

Ges. 1869, 163, 556; Zeitschr. f. Chem. 1869,264; Chem. Centralbl. 1869, 681.

6 ) Musculus, Dingl. pol. J. CLYIII, 424; CLXIV, 150; Zeitschr. f. Chem.

1860, 379; 1862, 169; 1865, 740; 1869, 446; Chem. Centralbl. 1860, 602;

1S65, 1163; 1870, 307; Ber. chem. Ges. 1870, 430; Pol. Centralbl. 1870,

1067. 6 ) Payen, Dingl. pol. J. CLXIV, 144; CLXXVIII, 69; Chem.

Centralbl. 1865, 845; Pol. Notizbl. 1865, 319; Zeitschr. f. Chem. 1866, 334.

7 ) Philipp, Zeitschr. f. Chem. 1867, 400; Zeitschr. f. analyt. Chem. VI, 471.

8 ) Reischauer, Dingl. pol. J. CLXV, 452. 9 ) Schwarzer, Journ. f. pr.

Chem. (Neue Folge) I, 212; Dingl. pol. J. CXCVIII, 321; Pol. Notizbl.1870, 321; Pol. Centralbl. 1870, 844,