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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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] 46 Gruppe III. Chemische Industrie.

wurden je 100 Thle. des in Scheiben von 5 mm Dicke geschnittenenHolzes mit warmem verdünnten Königswasser behandelt, welches aus4 Thln. Salpetersäure, 6 Thln. Salzsäure und 250 Thln. Wasser zu-sammengesetzt war Das durch die erfolgte Lösung des grössten Theilsder incrustirenden Substanzen erweichte Holz wurde dann gewaschenund mit Natronlauge oder Ammoniak im verschlossenen Kessel ausge-zogen. Nach dem Auswaschen mit Wasser, Feinmahlen und endlichemBleichen mit Chlorkalk lieferte diese Methode einen reinen weissen Pa-pierstoff von vortrefflicher Qualität.

Später wurden von Z. Orioli 1 ) selbst Mittheilungen über diesesVerfahren gemacht, nach welchem die Holzscheiben 24 Stunden in Be-rührung mit Königswasser blieben, welches aus 80 Thln. Salzsäure und20 Thln. Salpetersäure bestand. Nach dem Waschen wurde die Massemit einer Lauge behandelt, welche 10 p. C. des angewandten Holzesan Natron enthielt, dann mit Wasser gewaschen und endlich mit einerLösung von (10 p. C. des Holzes) Chlorkalk gebleicht. Mit einem Auf-wande von 40 p. C. Königswasser für je 100 Holzstoff sollen so 50 p. C.des angewandten Holzes an reiner Faser erhalten worden sein.

Trotz des überaus günstigen Berichtes von Payen wurde diesesVerfahren nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, angeblich, weil die sichentwickelnden Dämpfe die Gesundheit der Arbeiter beeinträchtigten undausserdem weil es nicht gelingen wollte, die für diese Operation nöthi-gen grossen Gefässe aus einem Material herzustellen, welches der Ein-wirkung der Säure auf die Dauer Widerstand leisten konnte.

Ein anderes Verfahren, welches seiner Zeit grosses Aufsehen er-regte, wurde 1864 von Bachet & Machard 2 ) patentirt. Es ging das-selbe darauf hinaus, einen Theil der Holzsubstanz in Glucose resp.Alkohol zu verwandeln und den ungelösten Rückstand auf Papierfaserzu verarbeiten.

Nachdem Pelouze schon 1859 nachgewiesen hatte, dass Cellulosedurch Behandlung mit verdünnten Säuren in Glucose umgesetzt wird,machten Bachet & Machard die Beobachtung, dass bei der Behand-lung von Holzsubstanz in gleicher Weise ein Theil der incrustirendenSubstanz und besonders auch die sogenannte schwammige (?) Cellulosein Glucose übergeführt und dadurch die rückständige Holzmasse für dieweitere Verarbeitung auf Papierfaser ganz besonders geeignet gemachtwurde.

Zu St. Tripon, Vizille bei Grenoble und Bex in der Schweiz wurdedieser Processs längere Zeit im Grossen ausgeführt und dabei in fol-gender Weise verfahren.

In grossen hölzernen Bottichen wurden 200 Kg Holz in der Form

*) Orioli, Bull. d. 1. Soc. industr. d. Mulhouse 1869. 2 ) Bacliet und

Machard, Engl. Patent 1864. S. auch Anmerkung - S. 10.