Die einzelnen Fächer.
hat eine einfache, aber äulserst wirkungsvolle Anlage: in einer vonEdelsteinen und Filigranarbeiten eingefalsten Mandorla die MajestasDomini; als Einfassung des Deckels ein ebenfalls mit Filigran undSteinen in greiseren Formen gezierter breiter Rand; in den vierEcken zwischen Mandorla und Hand die Symbole der Evangelisten.Die Fläche des ähnlich verzierten Deckels der ersten Handschrift istm zwei Felder geteilt, auf deren oberem der thronende und auf derenunterem der gekreuzigte Christus dargestellt ist. Die Figuren derDarstellungen dieser beiden Deckel weisen besonders mit ihren grofsenHänden und Füfsen auf deutsche Arbeit hin, während Schrift undMiniaturen der Handschriften angelsächsischen Ursprungs sind.Dorez setzt als Entstehungszeit der Einbände das Ende des 11. Jahr-hunderts an und spricht die Vermutung aus, dafs sie in Weingartenselbst gefertigt worden sind. Wir hätten dann in ihnen die ältestenWeingartner Prachtbände und zwar aus der ersten Zeit des Klostersselbst. Gegen die Vermutung von Dorez könnte geltend gemachtwerden, dafs für gewöhnlich solche Prachthandschriften, welche Kircheny on reichen Gönnern gestiftet wurden, schon ihren Einband mit-bekommen haben werden.
IV. Die einzelnen Fächer.
Es kann sich hier nicht darum handeln, ein abschliefsendes Urteilüber die 843 Weingartner Handschriften abzugeben, über Wert undBedeutung, welche sie in ihrer Gesamtheit oder in den einzelnenStücken für die Wissenschaft besitzen. Das ist Sache der Fach-wissenschaften, und dazu müfsten erst alle Handschriften von derenVertretern untersucht sein. Nur wo solche Untersuchungen schonvorli e g en und bekannt sind, kann hier auf ihre Ergebnisse hingewiesenwerden. Aber ein Versuch, nach diesen Hinweisen den wissenschaft-iiehen Wert der einzelnen Fächer einzuschätzen, wäre bedenklich, daw °hl manchmal der Zufall dabei mitspielte, dafs die eine HandschriftUntersucht wurde, die andere nicht, und da aufserdem diese Unter-suchungen auch nicht alle bekannt sind.') Im übrigen soll die imbesonderen Teil folgende Verzeichnung der einzelnen HandschriftenAnhaltspunkte für eine genauere Vorstellung von dem Inhalt imeinzelnen bieten.
Hier sei einstweilen nur ein gewisser Ueberblick über die FächerSegeben. Ein solcher Ueberblick deutet ja zugleich auch dieHauptrichtlinien an, in denen sich das geistige Leben des Klostersbewegte. Da ist 'es von vornherein selbstverständlich, dafs dietheologische Literatur ganz beherrschend überwiegt. Doch istimmerhin auch das Fach K, das die Klosterbrüder bezeichnenderweise
0 Vgl. die Vorbemerkung zu B, I, 1.