A^orwort.
Eine Handschriftensammlung, welche Kleinode wie die älteste derdrei weltberühmten Minnesänger handschriften und das Psalterium desLandgrafen Hermann von Thüringen barg und auch sonst nach Inhaltund Schrift noch mancherlei Merkwürdigkeiten enthielt, und welchedurch die Ungunst des Schicksals in aller Herren Länder zerstreutwurde, war wohl einige Mühe wert, die auf ihre Wiederherstellungverwendet wurde, und konnte diese Wiederherstellung auch nur imHilde versucht werden.
Günstige Zufälle förderten den Plan einer solchen Wiederherstellung.Zunächst fand sich ein genauer alphabetischer Katalog der Sammlung,den nicht lauge vor ihrer Zerstreuung ein Weingartner Bibliothekar,P. Bommer, angelegt hatte; eine Wiedervereinigung der darin getrenntaufgeführten Stücke der einzelnen Handschriften war schon eine Ver-wirklichung jenes Gedankens. Weiterhin stellte sich heraus, daß dieBibliothek, in der sich der Katalog gefunden hatte, die StuttgarterLandesbibliothek, nicht, wie seither angenommen wurde, nur 37,sondern über 500 Handschriften aus jener Sammlung beherbergte.Daraus ergab sieh von selbst die Erweiterung des Planes dahin, dasursprünglich gedachte Bild durch die Feststellung von den heutigenHeimstätten und den heutigen Bezeichnungen der Weingartner Hand-schriften zu ergänzen.
Da lag es nun nahe, nachdem doch, wenn irgend möglich, auf dieeinzelnen Handschriften selbst zurückgegangen werden sollte, statteiner Zusammenstellung mit Inhaltsangabe eine eigentliche Beschreibungins Auge zu fassen. Aber es wurde trotzdem von einer solchenWeiterung Abstand genommen. So viele von den Weingartner Hand-schriften sich schließlich zusammenfinden ließen, es blieb immer nocheine größere Anzahl von solchen übrig, die in jenem Katalog auf-geführt werden, aber seither verschollen sind; sie hätten nicht be-schrieben werden können. Und andererseits: wenn die Handschriften-bestände der Bibliotheken, in denen sich die Weingartner befinden,einmal alle beschrieben sein werden — was ja doch wohl zu hoffensein dürfte —, dann werden auch die darin enthaltenen WeingartnerHandschriften diese genauere Bearbeitung gefunden haben. Einstweilenwürde sonst dieser verschwundenen Handschriftenbibliothek eine Be-handlung zuteil, deren sich die meisten bestehenden noch nichterfreuen durften.