IMe Handschriften des Klosterschatzes. 147
2. Die Handschriften des Klosterschatzes.
Die Schatzhandschriften, welche mit den übrigen Klosterschätzenaufbewahrt wurden und also nicht in die Bibliothek eingereiht waren,trugen keine Signaturen und sind in liommers Katalog nicht auf-genommen. Ihre Feststellung ist also von dieser Seite her nichtmöglich. Wir haben aber ein Verzeichnis des alten Kirchenschatzesaus dem Jahr 1753 im Abteibuche (Archivhandschrift 3), abgedruckt"ei Lindner, Fünf Profeßbücher, 2., 1909, 8. 116 ff. Dort sind folgendesechs liturgischen Bücher des Kirchenschatzes aufgeführt:
a) ein Missale, dessen Deckel mit Edelsteinen besetzt.
b) ein Evangelienbuch mit vergoldetem Deckel und Edelsteinengeziert, darauf das Bildnis des Erlösers.
c) ein Evangelienbuch mit goldenem Deckel, worauf ein elfen-beinernes Kruzifix mit Edelsteinen besetzt.
d) ein Evangelienbuch, darauf ein Kruzifix mit Gold und Edel-steinen besetzt.
e) ein Evangelienbuch mit fünf silbernen „Bugglin", in der Mitteund an den Enden beschlagen, darauf das Bildnis S. Petri,S. Andreae, 8. Bartholomaei, 8. Joannis. In der Mitte eine Jung-frau, einen Becher haltend.
f) ein Graduale und ein Missale zusammengebunden mit silbernemDeckel.
Diese Beschreibung ist nicht sonderlich genau, besonders nicht, wennman bedenkt, daß manche hier angegebenen Merkmale, wie silberne«Bugglin", Gold- und Edelsteinbesetzung, auf den Wanderfahrten derHandschriften besonders der Gefahr des Verschwindens ausgesetztWaren und auch zum Teil tatsächlich verschwunden sind. Dochwissen wir von einigen anderweitig festgestellten Handschriften ausgelegentlicher Angabe bei Hess 1 ), daß sie im Kirchenschatz aufbewahrtWaren; es waren dies die von Judith geschenkten (s. o. S. 5) unddas Berthold-Missale (s. o. S. 8). Darnach wären zunächst als Schatz-handschriften aufzuführen:
!• liibliothek Lord Leicesters Ko 15. Evangelienbueh aus dem XL Jahr-hundert, nach Schrift und Miniaturen angelsächsischen Ursprungs.Einband deutsche Arbeit des IL—12. Jahrhunderts, wahrscheinlich inWeingarten seihst hergestellt (s. o. S. 44).
Die Handschrift erhielt im Kloster später Einträge betreffend die Ein-weihung der Kirche und der Set. Leonhardskapelle (s. Hess a. a. 0. S. 59und 49) und die Gründung des Klosters selber (s. Hess S. 71). Sie könntemit d) des Verzeichnisses gemeint sein.
1) Hess a. a. 0. S. 05, Anm. i.
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