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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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46 Allgemeiner Teil.

an den Schlufs stellten, gewissermaßen als Gebiet der Allotria, dasaber mit seinem vermischten Inhalt der heutigen Zeit und weiterenKreisen wohl am meisten Interesse abgewinnen wird, recht erfreulichausgebaut und birgt manch bedeutsames Stück; es sei hier nur aufdie Liederhandschrift hingewiesen. In unserem Ueberblick ein Bildklar abgegrenzter Gebiete zu geben, ist freilich kaum möglich, da diealte Facheinteilung mit der neueren Systematik der Wissenschaftenoder mit den Einteilungen der heutigen Bibliotheken natürlich nichtübereinstimmt. Den Ehrenplatz in der Reihe der Fächer nimmt ge-bührenderweise die Gruppe der Bibeln, das Fach A, mit 51 Nummernein. AVenn dieses Fach auch der Zahl der Stücke nach von mehrerenandern übertroffen wird, so hat es doch zwei von den vier aller-ältesten Handschriften (30, 36) und ist auch dadurch vor den andernausgezeichnet, dafs es durch Buchkunst besonders reich geschmücktist (21, 30, 34, 38, die drei Schatzhandschriften und das Landgrafen-psalterium, Anh. I, 3, das dieser Abteilung zuzurechnen ist. Wissen-schaftliche Forschung hat bis jetzt zwei Stücke als besonders wichtigfestgestellt, die Handschrift 22, diefür Herstellung eines kritischenTextes der lateinischen Bibelübersetzung nicht unwichtig" ist und 36,die nach dem Urteil Thielmans für endgültige Festlegung des Textesder hieronymischen Bibel nicht umgangen werden kann. Weiterhinwären vielleicht hervorzuheben die deutschen Bibeln 15 und 16, diedeutschen Teile in 43 und besonders 24, die Weltchronik von Rudolfvon Ems, die hier bei den Bibeln ihr Plätzchen gefunden hat. Fürdie Wissenschaft der Bibelforschung liegt aber die gröfste Bedeutungder Weingartner Handscliriftenbibliothek wohl nicht in ihren Bibel-handschriften selbst, sondern in den Bruckstücken von zwei Itala-handscliriften'), deren weitaus gröfster Teil durch Konstanzer Hand-schriften unseres Klosters auf uns gekommen ist. Es möge deshalbhier die Reihe der Handschriften mit Italafragmenten aufgezähltwerden: A 13, 28, 30, 39; B 11, 24, 32, 57, 76, 80, 82, 83, 94,95, 104; D 12, 58, 67; G 23, 31; II 42.2)

Die gröfste Zahl von Stücken, ebenso viel wie das Schlufsfach,von dem sie aber in der Ilöchstzahl übertroffen ist, weist die nächsteAbteilung, die Bibelkommentare, Littera B, mit 115 Nummernauf. Auch hier finden wir wieder sehr alte Handschriften; wennauch das 8. Jahrhundert nicht wie bei A vertreten ist, so doch das9. gleich mit 10 (resp. 15 mit denen aus dem Uebergang des 9. zum10.), das 10. mit 7 (resp. 11). Dem Kloster selbst verdanken einegrofse Anzahl davon ihre Entstehung; allein von den 25 Handschriftendes 12. Jahrhunderts sind beinahe alle in Weingarten geschrieben.Auch in diesem Fach ist die Buchmalerei reich vertreten, besonders

1) Ihre Veröffentlichung durch Paul Lehmann siehe Supplementum IXder Codices Graeci et Latini photographice depicti duce Scatoni de Vries.

2) Die aufserdem aufgefundenen Handschriften mit Italafragmenten sindjedenfalls nicht nach Weingarten gekommen; vgl. oben S. 21, Anm. 1.