44 Allgemeiner Teil.
mit Steinen und Filigranarbeiten geschmückter Streifen, der nocheinen schmalen glatten Metallrand freiläfst mit der Inschrift derNamen von allen abgebildeten Personen. Die Schnittflächen derDeckel sind mit schöner Ornamentik verziert und verraten durch einedarauf angebrachte Inschrift, dafs der obere Deckel Reliquien vonMaria, Bartholomäus, Thomas, Petrus, Paulus, Jakobus, (Jeorgius undOswaldus enthält. Durch die Figur des Abtes Berthold, bei dessenBücherliste auch dieses Missale angegeben wird, ist als Zeit der Ent-stehung dieses künstlerisch sehr wertvollen Einbands das erste Dritteldes 13. Jahrhunderts festgelegt.
Noch ein zweites Mal finden wir eine Darstellung von Abt Bert-hold auf einem Einband einer Weingartner Handschrift, des Missalesin Wien (Schatzhandschrift 5). Und wahrscheinlich besafs auch dieseHandschrift einstmals einen Prachteinband, von dem aber nur nochBeste erhalten sind, i) Im Mittelfeld des hinteren Deckels liegt eineFüllung in durchbrochener Arbeit, auf der die thronende Maria, einkniender Abt und eine mit einem Buch beschäftigte dritte Figur dar-gestellt sind. Die beiden letzteren sind nach der Inschrift des Bandes:Bertholdus Abbas und Udalricus. Wenn es zeitlich anginge, könnteman geneigt sein, in dem Udalricus den unter Abt Kuno von Wald-burg genannten Uodalricus custos zu sehen, von dem berichtet wird,dafs er Kunstgegenstände dem Kloster stiftete und liturgische Bücherschrieb (s. o. S. 6). Aber nach der Person von Berthold und nachder Schrift ist die Entstehung des Wiener Missales etwa ein Jahr-hundert nach diesem Uodalricus anzusetzen, gleichzeitig mit demBerthold-Missale.
Einen weiteren Prachteinband, der einen Namen aus dem KlosterWeingarten verewigt, trägt das zweite Missale in der Bibliothek LordLeicesters (Schatzhandschrift 4). Der Einband ist weniger kunstvollals derjenige des BertholdMissales und gehört einer noch früherenZeit an. Eingerahmt von einem breiten mit Filigran und Steinen ge-schmückten Band ist hier die Krönung Marias in unbeholfener Artdargestellt. Aufserdem trägt der vordere Deckel die Inschrift:IIA1NRICUS SACBTSTA (sie!), welche Persönlichkeit jedenfalls auchmit dem unten in betender Haltung abgebildeten Mönche gemeint ist.Es könnte dieser Hainricus sacrista der unter Abt Meingoz erwähnteHeinricus plebanus oder lleinricus quidam presbiter sein, welchebeiden — oder ist es ein und derselbe? — zu Kunstgegenständenim Kloster in Beziehung gesetzt sind. 2 )
An letzter Stelle der Prachteinbände — weil, wenn auch sehrwahrscheinlich, so doch nicht sicher Weingartischen Ursprungs —seien die Einbände der Judithhandschriften, auch im Besitz LordLeicesters (Schatzhandschr. 1 u. 2), genannt. Der Deckel der zweiten
1) Genauer beschrieben im Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungendes Allerhöchsten Kaiserhauses, 5, 1887, II. Theil, S. II—IV.
2) s. Hefs, Prodromns, p. 3(i.