Druckschrift 
Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Einbände. 43

bänden der Renaissance weitergehen, für welche die WeingartnerHandschriften auch ganz beachtenswerte Beispiele bieten Leder-schnittbünde scheinen sich in der Bibliothek nicht befunden zu haben.Diese Einbände, die die Grundlage des Holzdeckels beibehalten, weisenja, wenigstens bei alten Handschriften, auf eine Erneuerung des Ein-Dandes hin. Finden wir sie bei Handschriften, die nachweislich alterBesitz von Weingarten sind, so ist um so sicherer auch der spätereEinband als Weingartner Arbeit anzusehen. Als Beispiele für Hand-schriften mit solchen geprefsten Lederbänden seien angeführt E 51und p 24. Bei E 51 bilden die Randleisten Platten mit Darstellungender Auferstehung, des psalmierenden Davids u. a. Die Platte desMittelfeldes zeigt Frauenbildnisse aus dem Gebiet der Geschichte undder Allegorie, wie z. B. Lucrecia, Justitia. Bei F 24 sind diePressungen, die wohl von Anfang an etwas wenig tief waren, im Laufder Zeit recht undeutlich geworden. So weit es sich noch erkennenJäfst, waren auf den Randleisten fortlaufend antike Kampfszenen dar-gestellt. Der schöne Einband von F 68 aus dem 16./17. Jahrhundertze igt besondere Beziehung zu Weingarten, indem er hinten das Wappendes Klosters und vorn ein Bild des Heiligblutgefäfses zeigt.

Auch die kostbarste Art von Erzeugnissen alter Buchbindekunst,der Prachteinband in getriebenem Edelmetall, ist in Weingartendurch mehrere Beispiele würdig vertreten gewesen. Diese führenwieder in die älteste Zeit der Weingartner Bibliothek zurück undverdienen um so grösseres Interesse, als sie zumeist zu bekanntenPersönlichkeiten in Beziehung stehen und zeitlich genau festgelegtsind.

Der wertvollste von ihnen *) ist der Einband des Berthold-Missales(Schatzhandschrift 3); er hat auch insofern eine besondere Bedeutung,al s er Reliquien birgt. Der Metalldeckel, durch kostbare Steine undFiligranarbeiten geschmückt, trägt figürliche Darstellungen in erhabenerArbeit. Von dem Mittelfeld des vorderen Deckels gehen nach denVle r Seiten mit Edelsteinen und Filigranarbeiten besetzte Arme aus,s° dafs ein Kreuz entsteht, dessen Mitte, eben durch dieses, auch vonEdelsteinen umgebene Mittelfeld gebildet wird. Im Mittelfeld selbst' st Maria auf einem Throne dargestellt, eine grofse Krone auf demHa upt, das Christuskind im Schofs; Brustschmuck und Krone gleich-falls mit Filigran und Steinen besetzt. An den Seiten des Mittel-^Ides stehen zwei Statuetten, die beiden oberen die Virginitas undHumilitas, die beiden unteren die Heiligen Martinus und Oswaldusdarstellend. In den zwei Feldern je oben und unten sitzen dieEvangelisten an einem Lesepult mit einem Buch, und neben dem| ült steht je eine weitere Person; unten links Markus mit Abt Bert-~°ld, rechts Lukas mit St. Nikolaus, und oben links Johannes mitÜehae], rechts Matthäus mit Gabriel. Um das Ganze geht ein reich

1) Die Einbände der Handschriften in Ilolkham Hall nach Douz, Les"lanuscrits ä peiatures de la bibliotheque de Lord Leicester . . ., Paris 1908.