42 Allgemeiner Teil.
diese Linien in diagonaler Richtung geführt, wodurch, wenn diesmehrfach wiederholt wird, eine Gliederung in Rautenfelder entsteht.Beispiele für diese Gruppen von Einbänden bieten P 45, R 98, A 40.
Noch ein weiterer Schritt zur Ausschmückung des Einbands wargetan, wenn in die durch die Linienverzierung entstandenen Rand-leisten und Mittelfelder Stempel mit Blindpressung eingedrucktwurden. Diese Stempel waren von verschiedener Form und Gröfse,stellten teils blofse Ornamente, teils Pflanzenmotive, vor allem Lilienund Rosetten, teils Tiermotive, z. B. Adler und Greife, teils Spruch-bänder mit Aufschrift Maria oder Ave Maria dar. Zum Teil sinddiese Stempel ganz ähnlich denjenigen, die auf den Tafeln zuP. Schwenkes Aufsatz „Zur Erforschung der deutschen Bucheinbändedes 15. und 16. Jahrhunderts" in Dziatkos Sammlung bibliotheks-wissenschaftlicher Arbeiten, Heft 11, 1898, S. 114, wiedergegebensind. Beispiele für solche mit Blindpressungen geschmückten Ein-bände, die wieder in allen genannten Arten von Lederüberztigen vor-handen sind, stellen dar B 92, B 102, D 59.
Die Aufschrift erhielten die Handschriften auf einem Papier- oderPergamentstreifen, der auf dem oberen Teil des vorderen Deckelsaufgeklebt war, und bei den genannten Handschriften überall, wennauch z. T. nur noch in Spuren, zu sehen ist.
Die seither angeführten Handschriften vertraten mit ihren Ein-bänden sämtlich mehr oder weniger grofse Gruppen. Ihrer beson-deren Stempel wegen mögen noch die folgenden Einbände von ein-zelnen Handschriften kurz erwähnt werden, die auch durch die Be-sitzer oder Schreiber besonderes Interesse erwecken. K 18, aus demBesitze des Abtes Gerwik Blarer, fällt durch ein grofses Rosetten-muster auf, das sich sonst nicht findet; dieses Muster bildet einefortlaufende Einfassung den ganzen Rand entlang. Die übrigenStempel dies Einbands sind auch sonst in ähnlicher Art zu finden.D 54, eine der ältesten Handschriften von nachweislichem AVeingartnerUrsprung, verwendet ein Kreismuster mit darin enthaltenen Ornamenten,das sonst auch nicht vertreten ist. Auch der Ziegeniederüberzug istin Farbe und Zubereitung auffälliger Art.
Alle diese Einbände zeigen die einfachere Art des WeingartnerHandschrifteneinbands. Die Zeit der Herstellung der einzelnen Ein-bände festzustellen, wird kaum möglich sein. Doch dürfte für ge-wöhnlich kein zwingender Grund dagegen sprechen, sie je als dieersten Einbände der betreffenden Handschriften anzusehen, und alsodas Alter des Einbandes demjenigen der Handschrift selbst gleich-zusetzen. Dieser Annahme widerspricht jedenfalls nicht die Tatsache,dafs der rote Einband mit einfacher Linienverzierung sich z. B. auchbei II 60 findet, einer Handschrift, die erst 1630 von Konstanz nachWeingarten kam. Denn dieser Einband ist so wenig besonderer Art,dafs er natürlich ganz wohl auch an anderen Orten hergestelltwerden konnte.
Anders liegt die Sache, wemi wir zu den geprefsten Leder-