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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
Seite
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38 Allgemeiner Teil.

auch den Einflufs der Judithhandschriften bekunden. Die liier nachihren bezeichnendsten Initialen in Gruppen zusammengefafsten Hand-schriften zeigen natürlich im einzelnen die gröfsten Unterschiede vonder kleinen, einfachen Initiale zum grofsen, kraftvollen, in reichenWindungen sprossenden Gebilde phantasievoller Pflanzenornamentik,an dem wir oft ganz eigenartige, geistreiche Einfälle zu bewundernhaben.

Prunkvoller, manchmal eine ganze Seite einnehmend, auf Gold-grund mit mehrfachem, verschiedenfarbigem Rahmen, glänzen dieInitialen aus dem folgenden Jahrhundert in der Handschrift F 58, dieaber immer noch ihre Ornamentik aus der Pflanzenwelt entnimmt.D 11, auch aus dem 13. Jahrhundert, hat schöne Initialen, die schondie Herrschaft der Gotik verraten. Auch F 29 ist nochmals zu er-wähnen mit reicher Ornamentik. Einfacherer Art sind die Initialenvon F 15 und H 37. Zum 14. Jahrhundert, das wieder reicher ver-treten ist, aber ohne die Fülle des 12. zu erreichen, leiten die Hand-schriften H 24, 47, 70 und 73 über, die im wesentlichen sich in be-scheideneren Grenzen halten. Im 14. Jahrhundert selbst werden gernin den Grund der vielfach nur kalligraphisch verzierten Initialen, diein ihren Farben im Vergleich zu den früheren teilweise recht mattgeworden sind, Brust- oder Figurenbilder eingemalt; siehe z. B. E 57,K 5 und 50. Aufserdem sind für reichere Initialornamentik anzuführendie schon bei den Miniaturen erwähnte Handschrift F 2, damit ver-wandt I 1, ferner A 5, ähnlich F 10. F 68 zeigt französischen Ein-flufs, ist aber für Weingartner Ursprung nicht gesichert. EinfachererArt sind die Initialen von A48, D 45, 53, F 5, 11, 29*, 67, H 12.Wegen der besonderen Kunst der Rankenverzierung, die oft denganzen Rand einer Seite ausfüllt, einer Kunst, die vor allem in denBrevieren eine Stätte fand, sei F 91 erwähnt. Doch ist es fraglich,ob dieses Brevier, wie andere der Art, die genannt werden könnten,im Kloster geschrieben wurde. Es ist sehr wohl möglich, dafs esdem Kloster geschenkt wurde, wie dies z. B. bei den drei BrevierenF 49, 50 und 51, die ähnlichen Initialenschmuck tragen, die ein-gemalten AVappen verraten könnten.

Für die Initialkunst, wie sie sich so im Kloster ausgebildet hat,lagen in fremden Handschriften der Bibliothek kaum nennenswerteVorbilder vor. Die einzigen, die etwa hier zu erwähnen wären, sinddie francosächsische Handschrift A 38 und die schon bei den Minia-turen erwähnte Handschrift A 21. Doch scheint die darin vertreteneBandornamentik in Weingarten keinen Anklang mehr gefunden zuhaben. Viel eher hat die Reichenauer Schule mit der Pflanzenorna-mentik Einflufs ausgeübt, wie Haseloff in der gleich in der erstenZeit des Klosters nachträglich in die Schatzhandschrift 3 eingetrageneInitiale nachweist.

Was an fremden Handschriften mit Initialkunst sicli später in derWeingartner Bibliothek ansammelte, ist aufser den von Konstanz er-worbenen nicht viel. Vielleicht haben wir eine Probe Ilirsauer Kunst