36 Allgemeiner Teil.
Bedeutung ihrer Bilder, die anfserdem von höchstem Wert für dieKostümgeschichte sind, sei kurz darin zusammengefafst, dafs sie zumerstenmal in Deutschland die französische Blustrationstechnik in Deck-farben zeigen und Vorbilder waren für die reichere Manessische Hand-schrift, wenn nicht, was wohl wahrscheinlicher ist, beide auf eineverloren gegangene gemeinsame Vorlage zurückgehen. ] ) Künstlerischwohl noch wertvoller als die Minnesängerhandschrift ist das Psalteriumdes Landgrafen Hermann von Thüringen (Anh. I, 3); über seine Bilderund ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte vgl. Studien zur deutschenKunstgeschichte, 9: Haseloff, Eine thüringisch-sächsische Malerschuledes 13. Jahrhunderts. Besonders interessant ist, dafs Dorez in denBildern der Handschriften aus der Bertholdzeit verschiedentlich An-klänge an Miniaturen dieses Psalteriums findet, so dafs man fast darausschliefsen könnte, dafs das Psalterium bald nach seiner Entstehungnach Weingarten gekommen wäre.
Was sonst sich in der Bibliothek von Weingarten an Bilderhand-schriften ansammelte, steht natürlich davon in weitem Abstand. Inerster Linie wäre zu erwähnen A 24, die ungemein reich mit Minia-turen illustriert ist und wohl nach Böhmen weist. P 40, aus Höfenstammend, mit zwei ganzseitigen Miniaturen, wäre vielleicht Wein-garten selbst zuzuschreiben. Sonst sind es vor allem Proben derIllustrationskunst aus dem Ende des Mittelalters. BeachtenswerteBeispiele der Illustration der Spielmannsdichtung zeigt die Hand-schrift Anh. 1,28, der Augsburger Schlachten- und GeschichtsmalereiG 17, astronomischer Vorwürfe nebst andern Bildern K 17. ZweiPrachtstücke reich geschmückter livres d'heures sind F 22 und F 47und vertreten französische resp. flandrische Kunst in Weingarten.
Schöne Erzeugnisse feiner, zierlicher Renaissaneekunst enthaltenweiterhin die beiden Breviere F 93 und F 92; neben diesen könntevon den Brevieren noch F 64 genannt werden. Endlich sei auf diezum Teil recht wohl gelungenen Bildchen hingewiesen, welche dieStammbücher der Familie Ochsenbach (Anh. I, 35) schmücken.
Unter den sehr zahlreichen und alten Handschriften, welche vonKonstanz nach Weingarten kamen, sind auffallend wenige mit Minia-turen versehen. Die älteste ist A 30 aus der Reichenau; ihr Bild ist,wenn auch künstlerisch wenig wertvoll, nach Swarzenski 2 ) kunst-geschichtlich von Bedeutung als Erzeugnis der konservativen Richtungder Reichenauer Schule aus der karolingischen Zeit, das den Zu-sammenhang mit Arbeiten aus der ottonischen Zeit herstellt. Aufser-dem wären nur noch zwei Handschriften des 14. Jahrhunderts zu
1) Vgl. als letzte zusammenfassende Darstellung die KönigsbergerDissertation von Stange, Die Miniaturen der Manessischen Liederhandschriftund ihr Kunstkreis, 1909, S. 37, und die Erwälmung in der Dissertation vonHertha VVienecke, Konstanzer Malereien des 14. Jahrhunderts, Halle 1912,S. 22, wo_ trotz Vogts Untersuchung wieder Konstanzer Ursprung an-genommen ist.
2) Repertorium für Kunstwissenschaft, Bd. 26, 1903, S. 480.