Miniaturen und Initialen. 35
und abgebildet bei Dorez. Dem nach. Namen und Persönlichkeit nichtweiter bekannten hochbedeutenden Maler dieses Missales, das in beidenArten seiner Darstellungsweise, einer einfachen, ruhigen und einerlebhaft bewegten gleich hervorragt, schreibt Haseloff auch die zweil|ilder von A 34 zu, den Evangelisten Matthäus und die GeburtChristi darstellend, die hinter unausgefüllten Kanontafeln und einemunbemalten Apostelbild in die der Schrift nach ältere Handschrifteingemalt wurden. Ein drittes Denkmal aus der Bertholdzeit ist dasWiener Missale (Schatzhandschrift 6); über seinen künstlerischen Ge-
»H siehe Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Aller-höchsten Kaiserhauses, Bd 5, 1887, TL 2, II—IV.
Von dieser Höhe scheint die Kunst in Weingarten rasch herab-gesunken zu sein. Was aus der späteren Zeit erhalten ist, reichtna ch Haseloffs Urteil an die Werke der Blütezeit weit nicht heranund ist auch der Zahl nach nicht sehr bedeutend. Aus der zweitenWälfte des 13. Jahrhunderts stammen die Bruckstüoke eines bilder-geschmückten Breviariums, die in München aufbewahrt werden (Anh. V).«tWa in die gleiche Zeit gehören die Federzeichnungen des codexniaior traditionum Weingartensium (Archivhandschrift 4), welche dieAebte von Weingarten, natürlich nur in typischen Figuren, darstellensollen. Von der Zeit Konrads von Ibach (1315—1336) erzählenwieder einige Bilder selbst. In F 2 ist der Abt mit anderen Kloster-brüdern abgebildet; darüber ist Christus und Maria sitzend dargestellt.
. . zeigt das Bild des Gekreuzigten mit Maria und Johannes; diegleiche Darstellung etwas schwächer, hat die ältere Handschrift F 29._j'e reicher mit Miniaturen geschmückte Handschrift A 48, die vierT ^Stellungen aus dem Leben Jesu und in Bildinitialen David, einenheiligen und einen Bischof zeigt, und ferner F 6 mit zwei ganzseitigen
'jdtafeln, sind für Weingartner Ursprung nicht ganz gesichert. Zum' ehltifs seien noch erwähnt die Bilder von G 30, welche eine lange
eihe von „Stiftern von AVeingarten" vorführen; sie sind, wenn auchKünstlerisch nicht ohne Wert, eher vom kulturhistorischen Gesichts-Punkt aus von Bedeutung.
Mit dieser letzten Leistung hat die Weingartner Buchmalerei sichem Ende des Mittelalters genähert. Sie hat keine besonders grofsej aul von Werken aufzuweisen, hat auch nach aufsen keinen nach-gewiesenen EinHufs ausgeübt und ist hierin mit denen der benach-ai 'ten älteren Kunstmittelpunkte wie Keichenau und St. Gallen nichtu ve i'gleichen, hat aber immerhin Einen überragenden Meister be-sessen von ausgeprägter künstlerischer Eigenart.
Wo von den Weingartner Handschriften nach ihrer künstle-
■schen Bedeutung die Rede ist, dürfen aber nicht nur diejenigen
genannt werden, die in Weingarten entstanden, sondern weiterhin
j*ueh die andern, die durch die Bibliothek des Klosters auf uns ge-
ommen sind. Und da sind es ja besonders zwei, die den Namen
ei ngarten weit berühmter gemacht haben, als alle seither genannten.11 erster Linie die Liederhandschrift (K 107); die kunstgeschichtliche
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