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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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Zur Geschichte der Handschriftensammlung. 27

in die veränderte Sachlage, indem er nun seine Bücher und Handschriftendem neuen Landesherrn zum Ankauf für die Fuldaer Bibliothek anbot.Darüber kam es dann zu längeren Verhandlungen, die sich vom Mai1816 bis Januar 1819 hinzogen und in denen sich Aktenstück anAktenstück reihte. Es hatte dabei der erste Bibliothekar der KasselerBibliothek Oberhofrat Völkel ein Gutachten über den Wert derangebotenen Bestände abzugeben, worin er sich über die Handschriften-Sammlung nicht besonders günstig änfserte, aber immerhin einige wenigebezeichnete, dieder Schönheit der Schrift und Malerei, auch des Alter-tums wegen einer Bibliothek zur Zierde gereichen, oder in wissen-schaftlicher Hinsicht nützlich sein können". Der Regierungspräsidentvon Meyerfeld hatte einen Bericht über die rechtliche Seite der Sacheabzugeben, bei dem er zu dem Schlufs kam, die Schenkung Thiebaultsan Böhm nicht für rechtlich gültig anzuerkennen, aber doch auch denAntrag stellte, zu dem schon Schenk in seinem ersten Bericht, wennauch von andern Gesichtspunkten aus, gekommen war, die HöhnischeSammlung zu behalten und Böhm alsRemuneration und Gratifikation"eine entsprechende Summe zu bewilligen. Böhm selbst suchte denGang der Verhandlungen zu beschleunigen, indem er von Zeit zuZeit darauf bezügliche Eingaben machte. Das eine Mal legte er eineZusammenstellung der Forderungen vor, die er eigentlich an die Biblio-thekverwaltung noch habe; ein anderes Mal bot er seine WeingartnerBücher als Geschenk an, wenn ihm dagegen die Handschriften abgekauftwürden; dann wieder drehte er dies Verhältnis um; ein weiteres Malwies er auf seine Verdienste um die Bibliothek und auf seine Vater-landsliebe hin und appellierte an die Grofsmut des Kurfürsten. Ganzklar lag ja die Sache zweifellos nicht, i) aber schliel'slich wurde am15. Januar 1819 von der Regierung genehmigt, dafs dem Pater Böhm 500 fl.im Nominalwert in Kassenscheinen verabfolgt werden sollten, nachdemnoch u. a. darauf hingewiesen worden war, dafs der 70 jährige Greis einesolche Unterstützung wohl brauchen könne. Die Bücher und Handschriftenseien darnach in die Fuldaer Bibliothek einzureihen. Nachdem dannnoch fast ein weiteres Jahr vergangen war, bis die für die Auf-stellung nötigen Schränke bewilligt waren, fanden auch diese Teile derWeingartner Bibliothek endlich ihre Ruhe in der neuen Heimat. Leidersind die Verzeichnisse derselben, die in den Akten öfters genanntwerden, verloren, vielleicht absichtlich beseitigt worden, so dal's nichtmehr festzustellen ist, welche Handschriften gerade diese Irrungenhatten durchmachen müssen.

1) In diesem Zusammenhang mag auch darauf hingewiesen werden, dafsin Böhms "Nachrichten ..." wenigstens soweit sie von ZweDger veröffentlichtsind kein Wort von dieser au Zahlungsstatt erfolgten Überweisung vonWeingartner JJiicheru und Handschriften durch Thicbault an Böhm zu lesenist. Möglicherweise ist auch die dortige Darstellung von der Einverleibungin zwei Abschnitten eine absichtliche Verschiebung, so dafs vielleicht jeneerste Einverleibung noch unter oranischer Herrschaft gar nicht stattgefundenhätte; vgl. auch dazu oben S. 22 Aum. 2.