Zur Geschichte der Handsckriftensammlung. 25
bekannt als Bücherfreund, kamen, 1 ) wobei freilich die Einzelheitendieses Uebergangs noch nicht aufgeklärt sind. Dafs sie nie in Parisgewesen sind, wird auch dadurch bewiesen, dafs sie nicht den StempelBibliotheque Imperiale tragen, den man sonst bei ihnen vorfindenmüfste.
Thiöbault hatte jedenfalls abreisen müssen, ohne dafs er über dieNichtausführung der Pariser Sendung unterrichtet war. 2) Er wurdeMitte April 1807 plötzlich abberufen und mufste schon am 18. MaiFulda verlassen. Was aus den Handschriften geworden ist, die ernach seinen Memoiren an sich genommen hatte, ist nicht bekannt.Vielleicht gehören dazu diejenigen, die später in das Britische Museumoder in die Bibliothek Philipps gekommen sind. Immerhin ist in derkurzen Zeit des Aufenthalts Thiebaults in Fulda die Einverleibungder noch nicht eingereihten Weingartner Bestände in die FuldaerBibliothek fieifsig weitergefordert worden. Die Durchführung dieserArbeit war dem Bibliothekar Böhm übertragen worden, und am30. April, also schon nach seiner Abberufung, unterzeichnete Thie-bault die ücbergabc eines weiteren Teils des schwäbischen Zuwachses— nach Böhms „Nachrichten" 1560 Bände, worunter 139 Mss. und65 Inkunabeln — an die öffentliche Bibliothek in Fulda nach einemleider seither verloren gegangenen Verzeichnis. Nun hatte aber Böhmdiese Arbeiten, die die Ordnung, Aufzeichnung und Einreihung derneuen Bestände mit sich brachte, als aufserhalb seiner amtlichenAufgaben liegend angesehen und eine besondere Belohnung dafür ge-fordert. Er hatte eine Kostenrechnung von 228 11. eingereicht, ander das Oberfinanzkollegium Anstofs nahm, da ..es hier bisher nichtüblich sei, in loco Diäten an einen besoldeten Diener zu bezahlen".Schliefslich wurde Böhm eine Gratifikation von 50 fl. bezahlt. Fin-den Kest :l ) liefs er sich, da, wie er versichert, sein Patriotismusseinem Lande weitere Ausgaben ersparen wollte, ein Stück der AYein-gartner Bibliothek, und zwar über 100 Handschriften und etliche 300Bände Bücher, als sein Eigentum vom Gouverneur zusprechen. Einanderes Mal 'sagt er, es seien ihm 104 Handschriften geschenktworden, und 35 °(resp. 32) habe er erworben. Und so sollte nochmalsdie Gefahr weiterer Wanderfahrten einem grofsen Teil der Wein-gartner Bestände drohen! So ganz wohl war es offenbar Böhm bei
1) Vgl Schmidts Mitteilung in Bibliotheque de l'Ecole des Chartcs, 56,p. 599—600 und Revue des Bibliotheques, 1805, p. 359.
2) Auch Böhm wnfste vielleicht nichts Näheres darüber, denn in seinen„Nachrichten" sagt er nichts davon und in dem Bericht von Schenk bei denKasseler Akten (s. unten), der ja wohl auf Böhms Angaben beruht, heilst esv 'on den Bücherkisten bei Arno'ldi, „viele Bücher seien dem Vernehmen nachentkommen (sie!) und andere nach Paris geschickt worden".
3) Nach einer bei den Kasseler Akten liegenden Erklärung Böhms warenihm :i000 fi. angeboten, wobei aber wohl versehentlich 3000 statt 300 ge-schrieben ist. Ueberhaupt sind die Zahlangaben in den Akten hier wie sonstsowohl für die Summe der Bände als für den verlangten Betrag nicht immerübereinstimmend.