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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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22 Allgemeiner Teil.

Einige Monate nach seinem Regierungsantritt 1 ) befahl der Erb-prinz, die Weingartner Bibliothek nach Fulda zu verbringen, wo siemit der 1778 vom Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra gegründetenöffentlichen Bibliothek vereinigt werden konnte, und beauftragte denFinanzrat Schmitt mit dem Abholen der Sammlung. Die FuldaerBibliothek, die durch Verschmelzung der dortigen llofbibliothek mitderjenigen des Benediktinerklosters und der jüngeren Jesuitenbibliothekgebildet worden war, konnte eine solche Vermehrnng wohl brauchen,nachdem die altberühmte Klosterbibliothek schon im 17. Jahrhundertfast ganz verschwunden war. An ihrer Spitze stand der Benediktiner-pater Prof. Dr. theol. Petrus Böhm; er hatte sich durch Ordnen deralten Bestände verdient gemacht und dann in den neunziger Jahrenallerlei Bedrohungen durch französische Begehrlichkeit von seinenSchätzen abzuwehren gehabt, wobei er auch wieder zu dem bewährtenMittel hatte greifen müssen, seine Bibliothek auszuräumen und dieSammlung zu verbergen. Ein Bücherfreund wie Böhm mufstc dieAnkömmlinge aus Weingarten mit heller Freude begrüfsen. Dochsollten sie in der neuen Heimat nicht so leicht wieder Buhe finden.Zur Beise von Weingarten waren sie in eine grofso Anzahl von Kistenverpackt worden. Nur ein Teil 2 ) dieser Kisten wurde in Fulda gleichan den richtigen Ort verbracht; als man bei ihrer Oeffnung die Hand-schriften aus dem Judithgeschenk und die andern aus der Berthold-zeit mit ihren kostbaren Einbänden vorfand, machte das fürstlieheOberfinanzkollegium gleich den gut fiskalischen Vorschlag, die Ein-bände zu verkaufen, was aber am 5. April 180(> glücklicherweise vomErbprinzen abgelehnt wurde. Auf Befehl des Fürsten wurde nun fürdie vier Handschriften eine Besehreibung der Einbände angefertigt,weil schon bei ihrer Ankunftverschiedene Steine herausgebrochen"waren. Die in diesen Kisten enthaltenen Teile der Weingartner

liehen Bibliothek zu Fulda", die Bölmi [f 1822] nach seinen Tagebüchern imManuskript hinterlassen hatte, und die Zwenger imBessenland", 1900 und1901, im Auszug veröffentlichte in den AufsätzenZur Geschichte der FuldaerLandesbibliothek". Weitere Auszüge aus Böhms Manuskript und aus denAkten der Landesbibliothek in Fulda stellte Dr. Seherer zur Verfügung.Eine zweite Quelle der Darstellung bilden Akten des Geheimen Kats zuKasselbetr. Erwerbung der in den Besitz des F. Böhm gelangten Wein-gartener Bücher und Manuskripte für die Bibliothek zu Fulda, 1816 19",welche im Kgl. Staatsarchiv in Marburg liegen und von dort gütigst zur Be-nützung überlassen wurden.

Die geschilderten Verhältnisse erwähnt auch Schaab in der Vorrede zum2. Band seinerGeschichte des grofsen rheinischen Städtebundes." SeineMitteilungen, wohl auf Kindliuger, der von 1800 ab Archivar in Fulda war,zurückgehend, sind mehr zusammenfassender Art und nicht ganz genau inEinzelheiten.

1) Nach einer gelegentlichen Bemerkung in den Kasseler Akten, die zwarmit Sehaabs Angaben übereinstimmt, aber doch wohl irrtümlich ist, war eserst kurz vor der Schlacht von Jena.

2) Nach den Fuldaer Akten wären überhaupt nur die vier Prachthand-schriften vom Erbprinzen am O.Dez. 1805 der Bibliothek überwiesen worden;vgl. auch Anm. zu S. 27.