Zur Geschichte der Handschriftensammlung. 19
auf dem Gebiet der Handschriftenkunde berühmteste Vertreter desBenediktinerordens, Mabillon, in Weingarten gewesen; er rühmt inseinem Bericht J ) den Keichtum an Handschriften, berührt die AVelfen-aufzeichnungen und erwähnt besonders die Handschriften 15 83, G 37,Anhang HI, 2, H 76 und I 23. Auf Mabillons Bericht fufst dieWürdigung der Weingartner Handschriftensammlung in der grofsenDarstellung der wissenschaftlichen Tätigkeit des Benediktinerordensdurch Ziegelbauer, 2 ) der übrigens sein Urteil wohl auf Grund eigenerEinsichtnahme erweitert haben konnte. Einige Jahre nach Mabillonkam der württembergisehe Historiker und Archivar Pregizer 3 ) in dieAbtei und besuchte ihre Bibliothek, die „nicht gar grofs sei" und„von Manuskripten keine so grofse Menge" habe. Seine auswählendeErwähnung einzelner Handschriften zeigt, dafs seine Besichtigung nichtsonderlich eingehend war, und so ist auch sein Schlufsurteil, dafs»die übrigen Codices nicht von sonderbar grofsem Wert oder Con-sideration" seien, nicht gerade schwer zu nehmen.
Doch die Zeit der regeren Besuche durch fremde Gelehrte, diedann ihre Berichte weiteren Kreisen vorlegten, kam für die Wein-gartner Bibliothek erst mit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.Als erster erschien, im Jahre 1760, der Fürstabt von St. Blasien,Martin Gerbert, „die Zierde des Benediktinerordens". Er hat offenbardie Handschriftenschätze eingehend durchgesehen und rühmt einegrofse Anzahl derselben. 4 ) Zunächst fielen ihm auf die wenigen aberalten Handschriften aus dem Fache 0, vor allem G 3; weiterhin nennte r mit mehr oder weniger genauen Angaben D 52, D 24, G 31, An-hang in, l, G 37, F 17, D 63, I 23, D 53, K 102, D 46 und H 76.Zwei Jahrzehnte nach Gerbert kam der Historiker Gercken nachWeingarten. Auch er hat die Bibliothek genau gemustert und dabei,wie er selbst sagt,») sein Augenmerk vorzüglich auf die Handschriftengerichtet, wovon „ein grofser Schatz hier bewahrt sei, der sich wohlauf 500 Vol., wo nicht höher belaufen möge". Er bedauert nur, dafskein Katalog vorhanden sei, ein Mangel, dem ja dann ganz kurzeZeit nachher abgeholfen war. Er hebt eine noch gröfsere Zahl einzelnerHandschriften hervor, z.T. natürlich dieselben, die schon früherenBesuchern aufgefallen waren, und zwar als solche, die er „genau be-sehen und notieret" habe: H 76, B 88 (V), 0 2, D 24, B 17 Anm.,<! 5, A 21, D 6(V), G 42, B 80, C 4, C 1, F 16, G 12, die genau be-schrieben wird, G 37, wovon der Inhalt der einzelnen Kapitel an-gegeben wird, H 41 und G 30; die Handschrift Anh. 111,1 wirdschon als fehlend erwähnt. Am ausführlichsten, mit beigegebenen
1) Mabillonii iter germanicum, Hamburgi 1717, p. 41 sqq.
2 ) Ziegelbauer, Historia rei literariae ord. S. Benedicti, pars I, 1 i54, p. 51>C>.
3) Johann Ulrich Pregizers Reise nach Oberschwaben im Jahre 1G8S, inden Württembergischen Vierteljahrsheften für Landesgeschichte, 11, S. 44f.
4 ) M. Gerberti iter alemannicum . . ., St. Blasien 17C5, p. 234 sqq.
5) Ph. W Gercken, Keisen durch Sehwaben, Baiern, angriinzende Schweiz,• • • in den Jahren 1779—1782 . . ., Th. 1, Stendal 1783, S. 120ff.
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